Kultur

Der Natur auf der Spur

Dänemarks berühmtester Künstler Per Kirkeby zeigt sein Werk in der Fasanenstraße

Auf schwarzem, quadratischem Grund sehen wir bunte Linien, die sich zu einem Knäuel verdichten. Es könnte ein Kopf oder auch ein Baumstumpf sein. Alles in allem ist es eine mehr oder weniger abstrakte Zeichnung. Auf den anderen Tafeln gleichen Formats sind es Farbflecken und in unregelmäßigem Rhythmus Striche. Mitunter glaubt man auch hier Äste zu erkennen oder andere Formen und Strukturen aus der Natur.

Als Naturwissenschaftler hat Per Kirkeby, promovierter Geologe und einer der prominentesten Künstler Dänemarks, die Natur schon immer besonders interessiert. Viele seiner abstrakten Malereien und Skulpturen zeugen davon. Seine „Blackboards“ und selten ausgestellte Bronzeskulpturen sind nun im Kunsthandel Wolfgang Werner in der Fasanenstraße zu sehen.

Kaum ein Künstler seiner Generation ist so vielseitig wie der 1938 in Kopenhagen geborene Per Kirkeby. In den 60er-Jahren schuf er von der Pop Art inspirierte Gemälde, beteiligte sich an Happenings und arbeitete mit Künstlern wie Joseph Beuys und Nam June Paik zusammen. Anfang der 70er-Jahre wandte er sich der zu diesem Zeitpunkt schon längst überholten informellen Malerei zu und schuf von da an großformatige abstrakte Gemälde.

Neben Malerei und Film (Kirkeby hat insgesamt 24 Filme gemacht) interessierte ihn immer auch die Skulptur. Es entstanden monumentale funktionslose Backsteinskulpturen und Bronzen. Etliche davon waren Vorstudien für die Backsteinskulpturen. Um 1983 schuf Kirkeby aber auch eine Reihe reiner Skulpturen. Dazu gehören die Bronzeskulpturen „Læsø-Kopf“ I–IV sowie „Arm und Kopf“ IX und X, die nun zusammen mit den „Blackboards“ bei Werner gezeigt werden. Dort stehen sie raumfüllend auf Sockeln in einer Diagonale Spalier.

Per Kirkeby hatte sich in dieser Zeit intensiv mit Rodin auseinandergesetzt, war tief beeindruckt von dessen Torsi und Gliedmaßen sowie der Idee, die menschliche Form nur durch einzelne Teile darzustellen. Bei Kirkeby entspringen die Formen für die Köpfe, Arme und Füße seiner Bronzen amorphen Strukturen. Die Oberfläche ist schwarz patiniert und wirkt zerklüftet, als habe ein Malerpinsel sie geschaffen. Der menschliche Körper ist dabei nur erahnbar, eher denkt man an Baumstümpfe und Geäst – die allgegenwärtige Natur.

Kunsthandel Wolfgang Werner, Fasanenstr. 72, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr. Bis 2. Juli