Kultur

Rückkehr des gemütlichen Kinos

31 Berliner Lichtspielhäuser sind mit dem Programmpreis ausgezeichnet worden. Viele setzen auf die Mischung von Café und Kulturhaus

Programmkino ist in. Das suggerieren die Besucherzahlen der Arthouse-Kinos, die am Dienstagabend mit dem Kinoprogrammpreis der Medienboard Filmförderung ausgezeichnet wurden. Fast alle der insgesamt 46 prämierten Kinos in Berlin und Brandenburg konnten im vergangenen Jahr mehr Besucher in die Säle ziehen – obwohl Netflix, Amazon-Prime und andere Streamingdienste das Kino so bequem ins eigene Wohnzimmer holen.

Es ist kein Geheimnis, dass es angesichts des wachsenden Online-Angebots innovativer Konzepte und Ideen bedarf, um die Zuschauer vom Bildschirm vor die Leinwand zu locken. „Ich weiß, dass dem Programmkino weiterhin eine große Zukunft beschieden ist, wenn sie dem Publikum etwas bieten – so wie Sie das alle tun“, sagte die Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus bei der Preisverleihung.

Programmkinos gewinnen wieder an Bedeutung

Wie das gelingen kann, zeigen vor allem Kiez- und Nischenkinos, die ihren Saal in das eigene Wohnzimmer verwandeln. So wie das Bundesplatz-Kino und die Brotfabrik in Weißensee. Beide setzen neben Kinovorführungen auf eine Mischung aus Café und Kulturhaus, zeigen auch kleine Produktionen abseits des Arthouse-Mainstreams. Das Lichtblick-Kino in der Kastanienallee geht noch einen Schritt weiter: In dem kleinen 32-Platz-Haus verwischen zunehmend die Grenzen zwischen Film und anderen Kunstgattungen, 189 Filmdiskussionen gab es gar im vergangenen Jahr. Und das zieht Besucher an: 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wem es also glückt, Kino, Café und Debattierklub in einem zu sein, der sticht die Online-Konkurrenz aus. Und kann dafür mit einer Prämie der Film- und Standortförderung belohnt werden. Im Topf der Jury ist in diesem Jahr noch mehr als im vergangenen: 432.500 Euro werden an die prämierten Kinos verteilt.

„Programmkinos sind die Lebensadern des Films, hier gedeiht unsere Kultur. Das ist gerade für eine freiheitliche Gesellschaft wichtig“, sagte Björn Böhning, Aufsichtsratsvorsitzender bei Medienboard. Das sei ein Grund, warum es eben so wichtig ist, Programmkinos zu fördern. Das Medienboard tut das nun schon zum 18. Mal.

Einige der ausgewählten Kinos waren auch schon in den vergangenen Jahren unter den Preisträgern. So wie die Parklichtspiele Buckow. Denn während der Bundesbürger ungefähr 4,5 Mal pro Jahr ins Kino geht, nimmt jeder Buckower fast 17 Mal in seinem Programmkino Platz. Das findet die Jury so bemerkenswert, dass sie Betreiber zum zweiten Mal in Folge mit der Spitzenprämie von 15.000 Euro adelten. Zum ersten Mal für eine Prämie beworben und gleich abgeräumt haben das City Kino Wedding und das Il Kino in Kreuzkölln. Auch hier fahren die Betreiber mehrgleisig: Bar, Café und Kinosaal sind in einer alten Bäckerei eröffnet worden.

Zu den 31 ausgezeichneten Kinos in Berlin zählen neben den kleinen Kiezhäusern auch Größen im Arthouse-Bereich wie der Delphi-Filmpalast, die Eva-Lichtspiele in Wilmersdorf, das Kino International oder das Kino Central in Mitte. Als Zugpferde für mehr Kinobesuch nannten fast alle Preisträger deutsche Kinoproduktionen wie „Honig im Kopf“ oder „Fack yu Göhte 2“. Sonst gelte aber: unkonventionelle Kinos brauchen unkonventionelles Programm.