Kultur

Planeten, Drohnen und Christbaumkugeln

Das Trio Muse liefert den Fans in der Mercedes-Benz Arena eine pompöse Show

Das britische Rock-Trio Muse macht auch mit seiner neuen Show „Drones“ keinen Hehl aus seiner Lust auf hemmungslosen Bombast. Die Musiker machen sich klein hinter ausgeklügelten Effekten. Sie bombardieren mit immer neuen Lichtinszenierungen.

Sie zitieren optisch wie musikalisch die Rockvergangenheit und lassen ihr Publikum in dem Glauben, dass hier und heute neue Entertainment-Maßstäbe gesetzt werden. Nein, werden sie nicht. Aber, das muss man Muse zugestehen, sie legen sich mit ungeheurer Spielfreude, Energie und Perfektion ins Zeug. Sie lassen sich Zeit. Es ist 20 Minuten nach 21 Uhr, als das Saallicht in der Mercedes-Benz Arena am Freitagabend unter tosendem Jubel erlischt und madrigalartige Männergesänge durch die voluminöse Mehrzweckhalle wabern. „Killed by drones, my mother, my father, my sister and my brother, my son and my daughter“, heißt es da. Und: „Now you can kill from the safety of your home with drones.“ Plakative Wortfetzen werden auf eine Bildwand projiziert. „Amen“ heißt das letzte Wort, bevor Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy über einen Laufsteg in die Hallenmitte marschiert und mit dem krachend-knackigen Riff des neuen Stücks „Psycho“ das Konzert eröffnet. Und die ausverkaufte Halle hebt ab.

Mit ihrem im vergangenen Jahr erschienenen siebten Album „Drones“ haben sich Bellamy und seine Mitstreiter Christopher Wolstenholme am Bass und Dominic Howard am Schlagzeug musikalisch wieder ihrer Herkunft als Gitarrentrio besonnen. Es ist ein Konzeptalbum mit der ziemlich wirren Geschichte eines Soldaten, der zu so etwas wie einer menschlichen Drohne mutiert, einer Killermaschine, die zum Finale geläutert wird.

Ihre in viel Pomp und Pathos verpackte Gesellschaftskritik an den Gefahren des technischen Fortschritts und menschlichen Versagens an sich macht nun auch einen großen Teil der neuen „Drones“-Liveshow aus.

Sie haben mächtig aufgefahren. Eine Rundbühne, die sich auch noch ständig dreht, steht in der Mitte und füllt die Halle durch zwei breite Stege mit kleinen Spielflächen an den Enden in ihrer ganzen Länge aus. Die Grenze zwischen Bühne und Publikum ist aufgehoben, der ganze Saal wird immer wieder imposant illuminiert, Gazevorhänge werden aus der Höhe heruntergelassen und fungieren als Mega-Projektionsflächen und zwölf gigantische Kugeln, die freilich auch ein wenig an Christbaumschmuck erinnern, sollen mal Planeten, mal Drohnen symbolisieren, und schweben mystisch leuchtend ganz nah über den Köpfen des Publikums.

Die Show ist pompös und kitschig, aber auch rau und kraftvoll. Muse haben den guten alten Prog-Rock entstaubt und für eine neue Generation kompatibel gemacht. Was man an dem mehrheitlich jüngeren Publikum ausmachen kann. Sie kombinieren die urwüchsige Kraft des klassischen Trios mit einem ungeheuren Entertainment-Aufwand. Die neuen Stücke sind weniger vertrackt und keyboardlastig als frühere Stücke. Denn natürlich gehören auch Hits wie „Plug In Baby“ oder „Supermassive Black Hole“ zum Live-Repertoire. Und bei der Hymne „Starlight“ singt die ganze Benz-Arena mit.