Kultur

Marc-Uwe Kling: Karriere mit einem Känguru

Nach Jahren auf der Lesebühne, kommt er nun ins Fernsehen

Das Känguru ist nicht so begeistert, als Marc-Uwe Kling ihm erzählt, er werde in einer Fernsehshow auftreten. „Ist das der Sender für die Rentner?“, fragt das Känguru. Außerdem sollte das „vorlaute Beuteltier“, wie es auch genannt wird, natürlich auch mit ins Fernsehen. Das kommt natürlich nicht infrage. Denn dann wissen ja alle, wer man ist und ist unlöschbar auf Youtube zu sehen.

Doch Kling und seine drei Freunde konnten nicht wiederstehen und sind in vier Folgen jetzt im RBB zu sehen. Fast muss man sagen: endlich. Schließlich sind die vier schon seit rund zehn Jahren auf Berlins Lesebühnen (oder „Lesedünen“) zu sehen und haben mehrere Preise abgeräumt. Am meisten wohl Marc-Uwe Kling mit seiner Känguru-Trilogie: Drei Bücher über einen Berliner, der sich intellektuelle Kämpfe mit seinem kommunistischen Haustier liefert. Der Nachbar ist übrigens ein Pinguin. Es geht um Nahost-Konflikt, Überwachungsstaat und Pegida – aber auch um Treue-Herzen von Kaiser’s. Die erste Folge von „Bühne36“ ist ab dem heutigen Mittwoch schon im Netz zu sehen.

Das nahmen die vier Vorleser zum Anlass für einen gesonderten Auftritt mit ihrem Programm im Kreuzberger SO36. Einer Art Online-Release-Party also, zu der mehr Leute kommen wollten, als in den Saal passten. Offizieller Einlass war 19 Uhr, doch schon ab 18 Uhr standen die Anfang-20er-Fans mit „Android-pinkelt-auf-Apple“-T-Shirts bis auf die Oranienstraße und drehten ihre Zigaretten. Sie hatten auch kein Problem damit, auf dem Fußboden zu sitzen und waren so aufgeregt, dass schon ein „Hi Leute“ von Marc-Uwe Kling ausreichte, sie zum Lachen zu bringen.

Dabei hätte die anderen drei Gruppenmitglieder von ihrer Performance her ebenfalls eine eigene Sendung verdient. Da ist Sebastian Lehmann, der von allen nur „der Kleine“ genannt wird und tatsächlich von geringerer Körpergröße, das gleiche gilt für Mike Martschinkowsky („der Große“) und Julius Fischer („der Dicke“). Einzeln wirken ihre Erzählungen von tumben Sachsen oder trotteligen S-Bahn-Sprayern manchmal etwas dünn, wahrscheinlich würden sie wohl auch damit keine Bühne oder einen ganzen Abend füllen können, aber zusammen – ergänzt vom „berühmten“ Kling – bieten sie einen Blick auf eine Welt der Mitt-20er bis Mitt-40er in Berlin.

Leider geben die Künstler keine Interviews – am wenigsten Marc-Uwe Kling. Man hätte sie gern befragt: ob sie weitermachen mit dem Fernsehen, ob die Bühnen-Freundschaft wirklich eine ist oder eher eine Zweckgemeinschaft. Aber die vier sitzen am Ende allein um einen Tisch und bleiben unter sich. Draußen auf der Oranienburger Straße entschuldigt sich eine Rasta-Tochter bei ihrer Mutter: „Letztes Mal waren sie noch lustiger.“ Die Mutter lacht und sagt: „War supi, mach dir keine Gedanken.“

RBB: Bühne 36 - Känguru & Co am So. 29.05 um 22.45 Uhr