Theater-Kritik

Junge Menschen posten alles, aber selten die Wahrheit

| Lesedauer: 3 Minuten
Elisa von Hof

Theater an der Parkaue zeigt das Drama der Kommunikation

Man fühlt sich wie ein Handybildschirm. Vier Schauspieler überschütten uns mit ihren Gefühlen wie sonst nur auf Twitter, posieren für Selfies wie auf Instagram, schreiben wie auf Whatsapp. Im Stück „Denn sie posten nicht, was sie tun“, das nun im Theater an der Parkaue Premiere hatte, werden die digitalen Alter Egos von Jugendlichen lebendig. Der Zuschauer wird zum Voyeur der digitalen Kommunikation.

Was den Halbstarken im Film „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ die Lederjacke und das Motorrad waren, das ist den Jugendlichen heute das Handy. In den vergangenen Osterferien trafen sich Wanja van Suntum, Trang Tran Thu und Hieu Hoang, die das Stück konzipiert haben, mit Berliner Schülern zur Postingwerkstatt, einer Zusammenarbeit mit dem cobratheater.cobra. Da wollten sie lernen, wie die Jugendlichen online kommunizieren, welche Kanäle und Plattformen sie nutzen, welche Smileys ihre Lieblinge sind. Statt zu reden, wurde per Handy gesimst. Da muss es also ziemlich still gewesen sein, wie auch zwischenzeitlich auf der Bühne. Die Ergebnisse dieser Woche sind in dem losen Stück zu sehen, das Konstantin Bez, Jonas Lauenstein, Thomas Pasieka und Nina Maria Wyss spielen. Inspiriert von echten Postings schlägt es eine Brücke vom Jugendtheater in den Alltag seiner Zielgruppe, sogar noch weiter. Auch Erwachsene sollten sich das ansehen.

Ihre pinken Kniestrümpfe, Satinjacken, türkisen Leggins und babyblauen Tutu-Röckchen könnte man leicht für eine Parodie des Berliner Hipsters halten. Als die vier Darsteller auch noch pastellfarbene Marie-Antoinette-Perücken aufsetzen, wird klar, dass die Schrillheit der Outfits wohl den Kon-trast zur Realität betonen soll. Klar, der Cyberspace hat eigene Regeln. Nummer eins lautet wohl: Selbstinszenierung. Sie bewegen sich auf der Bühne also so langsam, als posteten sie ständig für ein Selfie. Die Hashtags, Akronyme und Anglizismen, die man nur in digitalen Dialogen findet, werden laut gesprochen, Smileys sogar nachgespielt. Das ist nicht nur ziemlich witzig, sondern demonstriert, wie absurd diese Konversationen im echten Leben wären.

Gefeiert wird hier das Ich – zumindest das, was man gern wäre. Ehe es damit in der Realität klappt, postet man schon mal im Internet. Hauptsächlich geht es da um den schönsten Pulli, die neue Frisur, den besten Fitness-Shake. Des Kapitalismus liebste Zielgruppe dreht sich um sich selbst. „Ich finde, selbst glücklich zu sein, ist das Wichtigste“, sagt Nina Maria Wyss. Nur wie man glücklich wird, das scheint niemand zu wissen. Immer wieder fallen die Darsteller in eine Starre, da ist dann wohl der Akku des Handys so leer wie die Unterhaltungen. Unter der Regie von van Suntum und Hoang gelingt es den Spielern, die losen Postings und Whatsapp-Dialoge in kleine Geschichten zu verwandeln. Oft müssen sie selbst über deren Skurrilität lachen.

Theater an der Parkaue (Prater). Tel. 44 35 18 256, Termine: 20. und 27.5.

( Elisa von Hof )