Kultur

Kampf mit Möbeln und Vasen

Eine Schau im Bröhan-Museum zeigt das Ringen um den Stil der Moderne

Dass Frankreich und Deutschland sich im letzten Jahrhundert nicht immer freundlich gegenüberstanden, ist hinlänglich bekannt. Lange Zeit wurde sogar von einer deutsch-französischen Erbfeindschaft gesprochen – kein Wunder, standen sich die Länder in der Vergangenheit doch vielfach erbittert auf dem Schlachtfeld gegenüber. Dass diese Animositäten auch auf dem Gebiet der Kultur ausgetragen wurden, braucht also nicht zu verwundern.

Das Bröhan-Museum in Charlottenburg veranschaulicht in seiner aktuellen, sehenswerten Ausstellung „Deutschland gegen Frankreich. Der Kampf um den Stil. 1900–1930“ anhand von etwa 300 Exponaten auf zwei Etagen, wie die Deutschen und Franzosen um den Stil der Moderne rangen. Möbel, Vasen und Service waren in diesem Wettstreit die Waffen – und eine gehörige Portion Polemik.

Zwischen den Nachbarn herrschte eine äußert produktive und in diesem Fall unblutige Konkurrenz. Sie beäugten sich wechselseitig mit allergrößter Skepsis und bereicherten sich mit vielfältigen Impulsen, die immer wieder Neuerungen hervorbrachten. Als wesentlichen Unterschied lässt sich festhalten, dass die Gestalter in Deutschland den Blick schon früh auf die industrialisierte Fertigung ausrichteten, während sich in Frankreich lange Zeit alles am Geschmack der Eliten orientierte. Dort herrschten elegante Formen und erlesene Materialien vor, darunter mit Intarsien versehene Edelhölzer und feinste Edelmetalle sowie kostbares Elfenbein.

Die Medien begleiteten die Ausstellungen scharfzüngig

Den Auftakt im Wettstreit zwischen den Ländern machte Frankreich mit dem Jugendstil, ihn feierten die Franzosen als Glanzstück moderner Gestaltung. In dem nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entstandenen Jugendstilzentrum von Nancy und in Paris findet der Stil seine eleganteste Ausprägung. Doch Deutschland legt nach. In der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe wird der Stil sakral aufgeladen und zum Inbegriff deutscher Kunst hochstilisiert. In Worpswede wird er von August Endell mit bäuerlicher Einfachheit gepaart. In München und Berlin arbeiteten Gestalter wie Richard Riemerschmid und Peter Behrens an einer Versachlichung des Stils und wollten damit die Tür für die industrielle Produktion öffnen. Frankreich griff diese Tendenzen auf und entwickelte ab 1910 den Art déco. Durch den Krieg verzögert, kam es 1925 zu einer großen Ausstellung in Paris, zu der auch die Deutschen eingeladen waren.

Die Franzosen stellten ihren Art déco vor und mussten zur Kenntnis nehmen, dass sich Deutschland mit dem Funktionalismus des Bauhauses und des Neuen Frankfurt längst weiterentwickelt hatte. Für den französischen Art déco war die Pariser Ausstellung Höhepunkt und Abgesang zugleich. „Diese beinahe hysterische Sucht in diesen letzten Jahren nach einem fast orgiastischen Dekor ist nur der letzte Krampf eines bereits vorhersehbaren Todes“, polterte Le Corbusier in weiser Voraussicht.

Angeregt durch eine große Schau des deutschen Werkbundes mit Möbeln von Mies van der Rohe und Marcel Breuer 1930 in Paris, gründete sich die Gruppe UAM (Union des Artistes Modernes) und schuf mit Entwürfen von Le Corbusier, Pierre Chareau, Charlotte Perriand eine eigenständige französische Moderne mit funktional ausgerichteten Möbeln, in denen die Eleganz des französischen Art déco nachwirkt.

Das Bröhan-Museum stellt die Schulen und Zentren in Deutschland und Frankreich vor. Wichtige Ausstellungen, in denen die beiden Länder ihre Positionen vorstellten, werden mit Möbeln und großformatigen Fotografien als Kristallisationspunkte im Kampf um den richtigen Stil nachempfunden. Zitate aus der damaligen Presse zeigen, wie scharfzüngig und polemisch der Wettstreit von den Medien begleitet wurde – ein Kampf, der wahrlich Spaß macht!

Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, Di–So 10–18 Uhr. Bis 11. September