Ausstellung

Fillmmuseum ehrt Regina Ziegler mit einer Werkschau

Die Ehren-Lola gibt es erst Ende Mai, eine andere Ehrung kommt schon jetzt: Die Mediathek zeigt einen Querschnitt aus dem Ouevre der Produzentin.

Vorn steht der „Mann mit dem Fagott“, dahinter sind die sechs Monitor-Inseln zu sehen. Rechts vorn läuft „Dallli Dalli“

Vorn steht der „Mann mit dem Fagott“, dahinter sind die sechs Monitor-Inseln zu sehen. Rechts vorn läuft „Dallli Dalli“

Foto: Peter Zander

Da liegt sie in einer Vitrine, schön hergerichtet und sorgsam zusammengelegt, bei Weitem nicht so schmuddelig wie damals im Film: die Leopardenjacke, die Rainer Werner Fassbinder in Wolf Gremms Science-Fiction-Film „Kamikaze 1989“ getragen hat. Es war der letzte Auftritt Fassbinders als Schauspieler, kurz vor seinem Tod, der Film kam erst postum ins Kino.

In einer anderen Vitrine ist der „Mann mit dem Fagott“ zu sehen, jene Gussstatue aus der Familie Jürgens, die das Motto für die gleichnamige Udo-Jürgens-Chronik gab. Und daneben die Krone aus „Henri 4“, nicht die des Infanten der Heinrich-Mann-Verfilmung, sondern die zierlichere der Marie de Medici. Kleine Preziosen aus dem Fundus von Regina Ziegler.

Am 27. Mai erhält die Berliner Film- und Fernsehproduzentin beim Deutschen Filmpreis die Ehren-Lola. Schon jetzt aber wird der 72-Jährigen eine zusätzliche Ehrung zuteil: In der Mediathek des Museums für Film und Fernsehen wurde für sie eine kleine Werkschau zusammengestellt: „Eine Lola für Regina Ziegler“, die noch bis 19. Juni zu sehen ist.

Für jeden ihrer Filme lässt Regina Ziegler einen eigenen Hut kreieren. Diese Kollektion allein würde eine Ausstellung komplett füllen. Aber davon ist hier nichts zu sehen. Auch sonst gibt es nur wenige Exponate, neben den besagten Requisiten noch die Goldene Schale, die sie bereits 1977 beim Deutschen Filmpreis erhielt, und den Emmy 2009 für ihren TV-Mehrteiler „Die Wölfe von Berlin“.

Über 100 Stunden Film sind zu sehen

Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Werk der legendären Filmschaffenden. In sechs Sitzgruppen kann man sich vor sechs Monitore setzen und ihre Werke ansehen, 40 von rund 500 Produktionen. In einem davon sind ihre Spielfilme zu sehen: ihr Erstling natürlich, „Ich dachte, ich wäre tot“, mit dem sie 1973 ins kalte Wasser des Filmproduzierens sprang und der kaum je gezeigt wird, Klassiker wie die Kästner-Verfilmung „Fabian“ oder eben „Kamikaze 1989“, beide von ihrem verstorbenen Mann Wolf Gremm gedreht, oder Andrzej Wajdas Holocaustdrama „Korczak“.

In einem anderen laufen ihre Fernsehfilme, in einem dritten Serien und Mehrteiler wie „Die große Flatter“ oder „Weissensee“. Dann gibt es noch die Stationen Dokumentarfilme und Theaterverfilmungen. Dabei kann man sich alle Filme oder einzelne TV-Folgen in Gänze anschauen, über 100 Filmstunden kämen so zusammen, oder einen Querschnitt aus je zwölf bis 15 Minuten.

Die größten Entdeckungen und Überraschungen bietet aber gleich die erste Station, die Regina Zieglers öffentliche Auftritte von 1980 bis 2002 bündelt. Da kocht sie mit Alfred Biolek, talkt mit Anne Will oder räsoniert mit Bernd Eichinger und Eberhard Junkersdorf über das deutsche Kino.

Und man kann regelrecht ihre Entwicklung verfolgen, von der anfangs noch eher schüchternen Frau, die zunehmend selbstsicherer und medienerprobter wird, deren Stimme immer tiefer und deren Outfit immer schriller wird.

Barfuß bei „Dalli Dalli“

Besonders witzig ist ihr Auftritt in Hans Rosenthals Spielshow „Dalli Dalli“, 1980 im Team mit Ulrich Schamoni. Da zieht sie sich gleich beim ersten Spiel die Schuhe aus, um flinker zu sein. Und dann tritt sie auch noch gegen die junge Iris Berben an, die heute Präsidentin eben jener Deutschen Filmakademie ist, die über die Lolas entscheidet. Das hätte sich kein Regisseur besser ausdenken können.

All diese Auftritte habe sie nie gesehen, gesteht die Produzentin im Gespräch. So selbstverliebt sei sie nicht. Aber für diese Ausstellung musste sie dann doch 21 DVDs sichten, um erst mal zu sehen, „was ich in all den Jahren so von mir gegeben habe“. Und ist das eine klare Linie, in der man sich immer wieder erkennt, oder sind da auch Momente, wo man sich fremd vorkommt? Nein, lacht sie, „ich habe mich eigentlich immer wieder erkannt“.

Mediathek im Filmhaus am Potsdamer Platz , Potsdamer Str. 2, Tiergarten. Tel. 300 90 30. Di.–So., 10–18 Uhr, Do. 10–20 Uhr. Bis 19. Juni