Kultur

Ein Engelsbild der Gemäldegalerie gibt das Geheimnis preis

Das 400 Jahre alte Bild stammt vom Barockmaler Escalante

Jahrhundertelang galt das Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ als Werk eines italienischen Barockmalers. Die Staatlichen Museen zu Berlin werden das Holztäfelchen nun in ihrer großen Velázquez-Ausstellung als Arbeit des spanischen Künstlers Juan Antonio Escalante (1633–1669) vorstellen. Babette Hartwieg, oberste Restauratorin der Gemäldegalerie, präsentierte am Dienstag die Ergebnisse neuer Untersuchungen, die die Herkunft des Kleinods aus Spanien erhärten. Schon 1970 gab es erste Vermutungen in diese Richtung. Maltechnische Analysen und Röntgenaufnahmen hätten nun gezeigt, dass die Tafel „mit großer Wahrscheinlichkeit“ als Tür eines Tabernakels zur Aufbewahrung von Hostien in einer Madrider Kirche gedient habe, fasst Hartwieg im Katalogtext zusammen.

Das fast 400 Jahre alte Bild zeigt einen Engel, der sich über den eingeschlafenen Propheten Elias beugt. Auf der linken Gemäldeseite fanden die Forscher ein früheres Schlüsselloch, auf der rechten Seite entdeckten sie zwei Scharniere. Solche bemalten Tabernakel-Türchen seien für viele Altäre in Spanien typisch, hieß es. Zudem gebe es eine vorbereitende Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid.

Der 1633 in Cordoba geborene Juan Antonio de Frías y Escalante hatte bei Francisco Ricci in Madrid studiert. Trotz seines frühen Todes im Jahr 1669 absolvierte er eine beachtliche Karriere am spanischen Hof. Er galt als Bewunderer der venezianischen Gemälde von Tintoretto und Veronese. Berühmt wurde er mit seinen religiösen Gemälden wie „Die unbefleckte Empfängnis“. Das Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ wurde 1874 für den heutigen Bestand der Staatlichen Museen zu Berlin erworben. Vom 1. Juli an wird es in der geplanten Ausstellung großer spanischer Meister in der Gemäldegalerie zu sehen sein.

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