Hauptrolle Berlin

Wie die Kanzlerin bei minus 18 Grad auf der Brücke zitterte

Zoo Palast und Berliner Morgenpost zeigen noch einmal „Bridge of Spies“. Und Christoph Fisser erzählt, wie er Spielberg nach Berlin bekam.

Morgenpost-Redakteur Peter Zander (2.v.r.) mit dem Filmausstatter Bernhard Henrich, dem Schauspieler Max Mauff und Babelsberg-Chef Christoph Fisser im Zoo Palast

Morgenpost-Redakteur Peter Zander (2.v.r.) mit dem Filmausstatter Bernhard Henrich, dem Schauspieler Max Mauff und Babelsberg-Chef Christoph Fisser im Zoo Palast

Foto: Jörg Krauthöfer

Eigentlich hätte er ja gern zuhaus gesessen. Und Fußball geguckt. Aber weil an diesem Dienstag noch einmal „Bridge of Spies“ im Zoo Palast präsentiert wurde, den das Filmstudio Babelsberg mitproduziert hat, radelte Christoph Fisser, einer der beiden Studio-Chefs, gern noch mal um die Ecke.

Und brachte noch zwei Gäste mit: den Filmausstatter Bernhard Henrich, der für „Bridge“ eine Oscar-Nominierung erhielt, und Max Mauff, der als deutscher Schauspieler neben Tom Hanks spielen durfte.

Tapfer schlottern bei Eiseskälte

Wie schwer war das, einen Steven Spielberg nach Babelsberg zu kriegen? Der Kultregisseur hatte bis dahin noch nie in Deutschland gedreht, nicht mal bei „Munich“. Und das hatte seinen Grund, weil Spielberg als Jude gewisse Vorbehalte hatte. Aber weil „Bridge of Spies“ nun mal vom ersten Agentenaustausch im Kalten Krieg handelte, war bald klar, dass man das vor Ort drehen musste.

Wofür dann ja eigens, wie sich viele Berliner nur zu gut erinnern, die Glienicker Brücke auf Tage gesperrt war. Und während des Drehs nur einige Auserwählte auf ihr stehen durften, unter anderem Kanzlerin Angela Merkel, die tapfer schlotterte bei minus 18 Grad.

Die Berliner Mauer in Breslau

Bernhard Henrich erzählte, wie beim Film halt immer auch ein bisschen getrickst wird. Weil man natürlich nicht am S-Bahnhof Friedrichstraße drehen konnte, hat man das einfach ans Gleisdreieck verlegt.

Und die Szene, in der die Berliner Mauer gebaut wurde, entstand gar nicht erst in Berlin, sondern – in Breslau. Wobei, gibt der Filmausstatter zu, es schon ein mulmiges Gefühl war, dafür mitverantwortlich zu sein, dass die verhasste Mauer noch einmal hochgezogen wurde.

Nicht nervös neben Tom Hanks

Max Mauff spielt ja eigentlich Hauptrollen, bei „Bridge“ hat er nur einen ganz kleinen Part. Aber wenn Spielberg anruft, ist das dann ein Angebot, das man nicht ablehnen kann? Nein, lacht der Schauspieler: Spielberg hat ja gar nicht angerufen.

Und erstmal war nur von einem „Untiteled Cold War Movie Project“ die Rede. Das klang erst mal nicht nach viel. Ist man dann nervöser, wenn man plötzlich neben Weltstars wie Tom Hanks und Spielberg steht. Nein, auch da kann er abwiegeln: Das Tolle an diesem Team sei gewesen, dass alle so unheimlich locker waren. Da gehörte man auch als deutscher Nebendarsteller sofort zur Family.

In der Reihe „Hauptrolle Berlin“ zeigen die Berliner Morgenpost und der Zoo Palst jeden ersten Dienstag des Monats einen genuiner Film aus und über die Stadt. Als nächstes läuft am 7. Juni „3 Zimmer Küche Bad“, zu Gast sind Dietrich und Anna Brüggemann.