Kurioses Konzert

Adam Greens Aladdin-Show ist wie Kindergeburtstag auf Acid

Adam Green mimt gerne den Aladdin

Adam Green mimt gerne den Aladdin

Foto: Reto Klar

Der Typ mit dem Fez und dem dicken Rüschenpaket vor der Brust sieht aus wie Adam Green. Strenggenommen ist er auch, allerdings nicht als er selbst, sondern in seiner Rolle als Aladdin (bitte jetzt Adam Green mehrmals ganz schnell hintereinander weg sagen. Witz verstanden? Wunderbar!).

Und jetzt sitzt dieser Aladdin Green in einem grellbunten Tonstudio. Er hat einen überdimensionierten Papp-Kopfhörer über den roten Fez gezogen und wartet darauf, dass der Blues ihn anruft. Nach der Episode im Studio, wird sich Aladdin durch Reibung einer verdammt phallischen Flasche in einem unwiderstehlichen Low-Key Prinzen verwandeln. Außerdem wird er eine 3D-Druck-Maschinerie in Gang setzen, die fast die Welt-Revolution stoppt, am Ende aber doch nur Macaulay Culkin auf dem Gewissen hat.

Es ist ganz schön viel los auf dieser Zelluloid-Party, so muss ein Kindergeburtstag auf Acid sein. Oder ein Passolini-Film auf LSD. Adam Green ist nicht mehr nur autodidaktischer Musiker, er ist jetzt auch ein autodidaktischer Filmemacher. Seinen ersten Film hat er noch mit seinem Smartphone gedreht, für das neue Projekt hat er aber – dank Kickstarter – Geld gesammelt, immerhin Low Budget statt No Budget. Vier Jahre hat er in sein Filmprojekt gesteckt. Der Abend im Lido ist daher zweigeteilt, zuerst kommt die Filmvorführung, erst dann folgt das Konzert.

Frustrierter Indie-Rock-Sänger mit Prinzessin

Die Story aus Tausendundeiner Nacht verlegt sich in eine Zukunftswelt in Hipster-Brooklyn und spielt inmitten von bunten, selbstgemachten Pappmaché-Bauten und Kostümen. Aladdins Figur hat Green der Einfachheit halber gleich autobiographisch angelegt, als frustrierten Indie-Rock-Sänger. Die dazugehörige Prinzessin gibt sich als eine junge Kim Kardashian, der Sultan ist ein perverser Despot und Greens Wunderlampe besagter 3D-Drucker.

Neben Green spielen unter anderem Ex-„The Pizza Undergrond“–Mitglied und Ex-Kinderstar Macaulay Culkin und Arrested Development Sidekick Alia Shawkat mit. Es geht um Drogenkonsum und um Sex, es gibt den Wunderlampen-Penis, überdimensionierte Brust-BHs und eine sprechende Vagina. Und dazwischen eine kleine Gesellschafts und Konsumkritik. Die Songs, die immer mal wieder in der Handlung aufploppen heißen „I Only Take Cocaine,“, „Birthday Mambo“ oder „Do Some Blow (With Me)“. Wer weiß, wie schön es erst geworden wäre, wenn Andy Warhol versucht hätte, eine Low Budget-Antwort auf American Pie zu drehen.

Zu Cool für Musical

Nicht alles ist möglich in Adam Greens Universum. Musical geht zum Beispiel gar nicht. Klar, der Film enthält Songs. Genaugenommen alle Songs, die auch auf dem neuen Album sind. Doch die Stücke haben, abgesehen davon, dass sie alle im Film vorkommen, keinen zwingenden Bezug zur Aladdin-Geschichte. Adam Green ist also zu cool für ein Musical. Schade. Denn diese Herangehensweise oder ein Filmabend mit eingeschobenen Live-Sequenzen, hätte das Programm vielleicht tatsächlich zu einem ganz speziellen Erlebnis werden lassen.

Vielleicht waren die Erwartungen aber auch einfach zu hoch. Nur weil Green ein Anti-Folk-Sänger ist, muss er ja keinen Anti-Film drehen. Das Aladdin-Film-Projekt ist zwar ziemlich bescheuert, aber längst nicht bescheuert genug. Das bedeutet, dass man das Werk weder lieben noch hassen muss, man kann es getrost ignorieren.

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Nach dem Abspann geht die Leinwand hoch. Adam Green tanzt herein, jetzt ruft der Blues also doch noch an! Das Publikum drängt sich nach vorne. Green ist gewohnt derangiert. Er erklärt, dass er schon immer mal einen Film zeigen wollte um danach weiterhin als Aladdin verkleidet ein Konzert geben zu können. Er spielt nicht alle Songs des neuen Albums in Reihenfolge. Lieber gibt er ein Best-Of aus alten Klassikern: „Bluebirds“, „Emily“, „Gemstones“. Vielleicht, weil er unbedingt verhindern will, dass dieser Abend am Ende doch noch einen Musical-Anstrich bekommt.

Die Leute jubeln, der Film ist fast schon wieder vergessen. Adam Green wirft sich ins Publikum und macht Crowd-Surfing. Es ist der Test, ob sein Werk angekommen ist – es funktioniert, Green bleibt oben. Vorher stellt er seinen Fez in der Nähe des Gitarristen ab. Es gibt schließlich nur ein Aladdin-Kostüm aber noch viele Konzertabende.