Konzert in Berlin

Wolfmother bringt die Columbiahalle zum Stagediven

Kreischende E-Gitarren, viel Schlagzeug, dröhnender Bass: Die Australier von Wolfmother beamen ihr Publikum zurück in die 70er-Jahre.

Wolfmother-Sänger Andrew Stockdale

Wolfmother-Sänger Andrew Stockdale

Foto: dpa Picture-Alliance / / picture alliance / Photoshot

Die 70er-Jahre sind zurück. Ganz ohne DeLorean und verrückten Professor. Ein paar Instrumente scheinen schon zu reichen, um die wilden Zeiten heraufzubeschwören.

So läuft das jedenfalls, wenn die Rockband Wolfmother in der Columbiahalle spielt, wie am Montag. Deren Sound hört sich nämlich eher so nach frühen Rolling Stones und Led Zeppelin an: Kreischende E-Gitarren, viel Schlagzeug, dröhnender Bass. Und so einfache Rhythmen, dass man bei jedem Stück gleich aufstampft und die Teufelsgabel gen Bühne reckt.

Die drei Australier sehen sogar eher nach 1968 als nach 2016 aus. Vor allem, wenn Andrew Stockdale hinter dem Mikro mit seiner wilden Lockenmähne wippt. Da geht er glatt als jüngerer Zwilling von Led Zeppelins Leadsänger Robert Plant durch. Seine braune Lederweste, Batik-Shirt und Röhrenjeans machen den 68er-Look perfekt.

Eine echt gute Jamsession unter Freunden

Oft spielen die Drei so selbstvergessen, dass man fast glaubt, die haben sich nicht in die 70er, sondern direkt in Stockdales alte Garage gebeamt. Es sind diese minutenlangen Soli und Instrumentalphasen, die an eine echt gute Jamsession unter Freunden erinnern.

Vor allem Alex Carapetis am Schlagzeug gibt solchen Körpereinsatz, dass man um seinen Nacken bangen muss. Nach der Show wartet wohl eher ein Schleudertrauma als Groupies. Er wirbelt die Sticks durch die Luft und drischt auf die Trommeln ein, dass nasse Haarsträhnen um seinen Kopf fliegen und seine nackte Brust unter der Weste vor Schweiß glänzt - nach den ersten vier Songs. Denn Wolfmother startet mit den Evergreens des Debüt- und Durchbruchsalbums von vor elf Jahren und die haben es ja in sich.

Da ist „New Moon Rising“, wo Stockdale mit der E-Gitarre um die Wette kreischt und sich so nah über die pogenden Zuschauer beugt, dass die begeistert nach seinen Knöcheln greifen. Oder die Rock-Ode an die Frauen, „Woman“, wo Bassist Ian Peres - der Stockdale in Haarpracht in nichts nachsteht und man sich deswegen fast fragt, ob eine Lockenmähne, die an Omas aufgeplatztes Sofa erinnert, Zulassungskriterium für die Band ist – den stärksten Bewegungsdrang beweist. Er spielt mit der rechten Hand auf seinem Bass, mit der linken Hand den Synthesizer und haut mit dem rechten Fuß auf die Tasten, gleichzeitig.

Mit AC/DC auf Tour

Als die Drei „Victorious“, den ersten Song ihres neuen, gleichnamigen Albums, spielen, tun sie das auch ein bisschen für sich selbst. „With an electric guitar blow them off the stage. She will be victorious and won't get the battle loss“, singt Stockdale mit unverwechselbar quietschiger Stimme. Die Botschaft ist Kampfansage. Denn bei kaum einer Rockband änderte sich in den vergangenen Jahren so viel an der Besetzung wie bei Wolfmother. Grund war immer wieder Streit. Einer war so heftig, dass die Band eine Zeit lang auf Eis gelegt wurde. Dabei gewann Wolfmother einen Grammy, ging mit AC/DC auf Tour, wuppte drei Alben. Von den Gründern ist über die Jahre nur Sänger Stockdale geblieben. Der sagte in einem Interview mal, er wolle die Menschen mit seiner Musik von der täglichen Schinderei ablenken. Ein Konzert solle das moderne Äquivalent des Lagerfeuers sein, wo Menschen gemeinsam ihrem Alltag entkommen.

Seit dieser Tour erst gibt es die Band in der Formation. Das scheint ziemlich gut zu funktionieren, die Zuschauer vergessen ihren Alltag. Die tanzen ekstatisch Disco-Pogo, auf den sogar die Atzen neidisch wären. Und immer wieder wird jemand auf Händen vor der Bühne herumjongliert, genießt Peace-Zeichen zeigend die fünf Sekunden Stagediving, ehe die Security Männer den Höhenflug beenden.

So wie bei „Vagabond“, der gefeierten Zugabe. „I tell you everything about living free“, singt Stockdale da und wie er mit seiner Gitarre tanzt, kauft man ihm das ab. Der weiß, wovon er singt. Die wilde Zeit war eigentlich nie fort, man muss nur an sie erinnert werden.