Kultur

„Ich bin immer noch eine Rebellin“

Popstar Cyndi Lauper überrascht auch noch mit 62 Jahren: mit einem Album voller Countrysongs

Auf ihre reiferen Tage widmet sich Cyndi Lauper der Interpretation klassischen, amerikanischen Liedguts. 2010 schon heimste die vielseitig talentierte, mittlerweile 62 Jahre alte und immer noch streitbare Künstlerin viel Lob für ihr Album „Memphis Blues“ ein, nun hat sie mit „Detour“ ein Werk voller alter Countryhits wie „Walkin’ after Midnight“, „I Fall to Pieces“ oder „Funnel of Love“ eingespielt, als Gäste mit dabei sind unter anderem Willie Nelson und Emmylou Harris.

Berliner Morgenpost: Frau Lauper, wie kommt ausgerechnet jemand wie Sie dazu, ein Album mit alten Country-Coversongs aufzunehmen?

Cyndi Lauper: Wie meinen Sie das, „ausgerechnet eine wie Sie“? Was bin ich denn für eine?

Das Countrymusik-Genre gilt vielen als recht konservativ, manchen sogar als reaktionär. Sie hingegen stehen in dem Ruf, ausgesprochen liberal zu sein, und setzen sich zum Beispiel seit Jahrzehnten für die Belange der LGBT-Community ein.

Ich forsche und experimentiere für mein Leben gern. Ich liebe es, mich auf unbekanntes Terrain zu begeben und zu schauen, wie ich dort zurechtkomme. Wäre ich in meinem Leben immer nur auf Nummer sicher gegangen, hätte ich mich früher oder später unendlich gelangweilt. Vielleicht kann ich ja das Bild, das Sie und andere Menschen von Countrymusik haben, ein bisschen zurechtrücken.

Ist das Ihre Motivation hinter „Detour“?

Ein bisschen. Aber im Mittelpunkt steht wirklich der Spaß, den ich mit diesen Songs hatte. Sie müssen wissen, als ich ein Kind war, in den späten 50er- und 60er-Jahren, war Country total cool und überhaupt nicht hinterwäldlerisch oder so. Wanda Jackson, Patsy Cline oder Dolly Parton waren rebellisch und feministisch. Auch ich bin immer noch eine Rebellin, da machen Sie sich mal keine Sorgen. Also, ich finde, Cyndi als Cowgirl, das passt super (lacht). Die Welt muss immer noch ein wenig geschüttelt werden, was Gleichberechtigung und Ermutigung von Frauen angeht. Ein Song wie „I Want to be a Cowboy’s Sweetheart“ von Patsy Montana war sehr ungewöhnlich. Überhaupt, eine Frau, die auch noch jodelt, das war echt frech damals.

Sie lassen in ihrer Version von „I Want to be a Cowboy’s Sweetheart“ allerdings lieber jodeln, und zwar von Jewel.

Weil Jewel bewiesenermaßen eine fantastische Jodlerin ist. Im Gegensatz zu mir. Ich nahm für die Nummer extra drei Tage Jodelunterricht, aber am Ende kam einfach nichts Brauchbares dabei heraus.

Man hört Ihnen auf „Detour“ an, wie viel Freude Sie bei den Aufnahmen in Nashville gehabt haben müssen.

Und ob! Country kommt heute oft so verbissen und ernst daher, dabei ist diese Musik doch total witzig. „Heart­ache by the Number“ oder „Walkin’ after Midnight“, diese Lieder zu singen macht einfach Spaß. Für mich ist das absolut kein Widerspruch zu Songs wie „Girls Just Wanna Have Fun“.

Können Sie den Hit eigentlich noch hören?

Sonst müsste ich aufhören. „Girls Just Wanna Have Fun“ ist ein zeitloser Song, der vielen Menschen, insbesondere Frauen, aber sicher auch Männern, das Leben leichter und schöner gemacht hat. Musik dient doch dazu, dass es einem besser geht, wenn man sie hört. Musik macht das Leben erträglich, Musik bringt Hoffnung. Ich halte es für elementar wichtig, den Menschen Hoffnung zu geben.

Wofür steht Ihre Musik?

Immer geht es um die Freiheit, so zu sein, wie man sein möchte, sich nicht zu verstellen, ganz gleich, welchen Geschlechts man ist oder welche Geschlechtervorliebe man hegt. Come as you are, in allen Lebensbereichen, das ist mein Glaubensbekenntnis.

Ist „Detour“ eine Art Nachfolger ihres Bluesalbums „Memphis Blues“ von 2010?

Es knüpft daran an. Klassischer Country und Blues gehen Hand in Hand. Als Sängerin sollte man ohnehin seine Wurzeln kennen, bei mir sind das eben die Ursprünge der amerikanischen Musik. Der eigentliche Initiator war aber der berühmte Musikmanager Seymour Stein, mit dem ich dabei erstmals zusammenarbeitete. Der sagte zu mir: „Cyndi, du musst ein Countryalbum machen, das die Verbindung schlägt zwischen damals und heute.“

Ihr Sohn Declan ist 18, will der auch Künstler werden?

Ja. Er wächst, gedeiht und macht seit einiger Zeit Hip-Hop. Das hört sich echt cool an. Der Junge hat Starqualitäten. Ich habe lange darauf gewartet, dass er einmal Lust darauf bekommt, kreativ zu sein. Und jetzt macht er das wirklich toll.

Vielleicht hören Sie das nicht gern, aber Sie waren 2010 eine der Kandidatinnen bei „The Celebrity Apprentice“, der Show von Donald Trump. Sie kennen den Mann also besser als die meisten. Wäre er ein guter Präsident?

Nein. Obama war ein guter Präsident, er hat mich wirklich überzeugt, wie er das Land aus der totalen finanziellen Depression geholt hat und einigermaßen erfolgreich gegen Rassismus und Ausgrenzung kämpft. Donald ist kein schlechter Mensch, aber ihm fehlt der Sinn für das Gemeinwesen. Außerdem versteht er leider nicht sehr viel von Politik.