Kultur

Sieben Tage, sieben Geschichten, sieben Filme

Das Künstlerduo M + M im Museum für Fotografie

Der Montag, sagt Marc Weis, sei von allen Wochentagen der depressivste Tag, nach dem Sonntag finge alles irgendwie wieder an. Wahrscheinlich hat der Mann recht, ein „M“ vom Münchner Künstlerduo M + M. Sein Künstlerkumpel heißt Martin De Mattia. Die beiden M + Ms also zeigen im Museum für Fotografie ihre siebenteilige Filminstallation „7 Tage“. Ganz einfach: 7 Tage, 7 Geschichten, in jeweils zwei parallele Varianten aufgesplittert. Gleicher Dialog, gleiche Kameraführung, gleicher Schnitt. Jeder Film erzählt dabei seine eigene Story.

Am Montag jedenfalls schaut der Schauspieler sehr dämonisch aus, wie er da mit dem Kind auf dem Schoss, das mit dem Vater sehr fremdelt, auf dem schäbigen Hotelbett sitzt. Das Kind fremdelt. Die Schlüsselszene aus „Shining“ von Kubrick ist nachgestellt, den Part von Jack Nicholson spielt hier Christoph Luser, der ein Mädchen auf den Knien hat und in Variante zwei eine Frau. Eine präzise synchronisierte Doppelprojektion – bis auf die Falten der Bettlaken.

Und weil der 7-Tage-Zyklus viel mit Filmgeschichte und den Möglichkeiten des Erzählens zu tun hat, sitzen wir – mitten im Museum – in einem kleinen, nachgebauten Kinosaal. Es gibt vier Leinwände, und von Tag 1 bis Tag 7 springen die Geschichten auf den Projektionsflächen. Am Freitag können wir zu „Saturday Night Fever“ tanzen, mit Jean-Luc Godard räkeln wir uns Sonntag sehr erotisch im reinweißen Bett.

Christoph Luser als Protagonist führt durch alle Tage, es gelingt ihm, mit seinem fiebrigen Flirren die Bandbreite der Charaktere abzudecken: mal Geliebter, mal Mörder, sexelnder Klubgänger, Vater und missratener Sohn. Das Spiel mit den Identitäten wird zum unheimlichen Psychogramm des eigen Spiels. Manchmal fühlt man sich an diesem Morgen wie in einem Kammerspiel.

Das Künstlerduo M + M ist bekannt für seine begehbaren, inszenierten Filminstallationen, die erzählerische Möglichkeiten der Fotografie und des Films abtasten, die Grenzen aufbrechen und zeigen, dass Geschichten immer mehrere Perspektiven und Erzählungen bergen, etwa wie eine Puppe in der Puppe.

Gerade Anfang April haben die beiden den offenen Wettbewerb für die künstlerische Ausgestaltung der „Konditorei“ im Souterrain der Staatsoper gewonnen. Die historische Mahagoni-Vertäfelung dort wurde beibehalten, die einstigen Spiegel, die nicht mehr im Original erhalten sind, sollen durch eine Filminstallation ersetzt werden. Die Idee der beiden Münchner ist, zu zeigen, dass auch die Oper kein von der „Realität abgeschlossener, luftleerer Raum“ ist, sondern Teamarbeit. 300.000 Euro stehen ihnen zur Verfügung. Zwölf Mitarbeiter aus dem aktuellen Opernbetrieb wollen sie porträtieren – auf ihrem Weg zur Oper und im Hause selbst. Eine Art kleiner Biopic, drei, vier Minuten lang. Garderobenfrau, Musiker? Alles möglich. Bald soll gecastet werden. Zur Pause in der Oper heißt es dann künftig wohl: Biopic mit Bier bitte.

Museum für Fotografie, Jebensstr. 2. Di–Fr 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr. Sa/So 11–18 Uhr. Bis 3. Juli