Theater-Kritik

Drei Frauen und ein Seelenstriptease unterm Regendach

„Hundewetter“ an der Komödie am Kurfürstendamm

Treffen sich drei Frauen in einer Bar. Eine burnoutgefährdete Vollblutmutter, eine alleinerziehende Dessousverkäuferin, ein tablettensüchtiger Single. Wie lange dauert es, bis sich die drei an die Gurgel gehen, so richtig mit Haare ziehen und kneifen? Die Antwort: 20 Minuten. Was sich ein bisschen wie der Beginn eines frauenfeindlichen Witzes anhört, verläuft im Stück „Hundewetter“, das an der Komödie am Kurfürstendamm Premiere hatte, dann doch anders. Da stehen zwar drei Frauen im Mittelpunkt, die nicht nur rein äußerlich, sondern auch durch Lebenseinstellung und -führung unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch sobald die ersten 20 Minuten und etwas klischeehafte Zänkereien überwunden sind, offenbart sich, was unter der Oberfläche brodelt. Die drei eint nämlich ein gewaltiges Problem: ein vermurkstes Leben.

Wer sich nun wundert, wie diese drei so unterschiedlichen Frauen überhaupt zusammenfinden, dem sei gesagt, dass nur so richtiges Schietwetter solche Schicksalskoalitionen schmieden kann. Weil es draußen also wie aus Kübeln schüttet, Blitze und Donner die Bühne erzittern lassen, retten sich die drei in die nächste Bar. Weil auf die Idee aber mehrere gekommen sind, finden sie nur im Abstellraum, zwischen Gartenstühlen und Sonnenschirmen, Platz. In dieser Abgeschiedenheit, die nur durch den mürrischen Kellner und dicke Regentropfen, die auf das Glasdach prasseln – ein Beispiel für die wirklich gelungene Bühne von Julia Hattstein – unterbrochen wird, trocknen die Frauen nicht nur ihre Kleider, sondern auch ein bisschen die Seele. Kaum ist der erste Schnaps getrunken, geht nämlich der Seelenstriptease los. Allen voran der von Marion Kracht als Helene.

Die zweifache Mutter hat nicht nur einen Fulltime-Job, sondern auch zu Hause nur Stress. Ihr Ehemann betrügt sie, ihre Mutter beleidigt sie, ihre Kinder reden nicht mit ihr. „Das Leben ist eine Katastrophe. Nur hat keiner den Mut, das zu sagen“, resümiert sie nach ein paar Cognac. Es ist Krachts Performance geschuldet, dass ihre Figur dem Zuschauer am nächsten kommt. Wie sie mit einem Geschirrtuch um die Haare gewickelt ihren ersten Joint raucht und über ihre Mutter herzieht, das ist ziemlich witzig. An Klischeehaftigkeit, die bei Stoffen wie diesem schwer zu vermeiden ist, krankt das Stück ein wenig – so wie an einigen hölzernen Dialogen: Da sagt Daniel Morgenroth als Kellner: „Ich muss zu einem Begräbnis“, und Kracht antwortet: „Du bist doch noch nicht tot“. Es kann auch der Übersetzung geschuldet sein, dass solche Scherze nicht zünden. Das Stück stammt aus der Feder der Französin Brigitte Buc, wurde 2014 im Théâtre Montparnasse in Paris produziert und nun auf die Berliner Bühne gehoben.

Komödie am Kurfürstendamm,
Kurfürstendamm 206/209.
Nächste Termine: 26., 27., 28., 29. April