Kultur

Interesse an Gedenkstätten nimmt ab

Aber in den Berliner Museen stiegen 2015 die Besucherzahlen

Die Berliner Gedenkstätten haben 2015 weniger Besucher verzeichnet als im Jahr zuvor. Rund drei Millionen Menschen besuchten die Orte zur DDR- und Nazivergangenheit. Das waren etwa 200.000 Gäste weniger als im Jahr davor, wie die Kulturverwaltung am Donnerstag mitteilte. 2014 sei die Besucherzahl wegen besonderer Highlights - etwa dem Mauerfall-Jubiläum - höher gewesen. Allein das NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zählte nach einem starken Vorjahr knapp
150. 000 Besucher weniger. Die Stiftung Berliner Mauer musste einen Rückgang von gut 75.000 Besuchern hinnehmen. Im Jahr 2015 zählte sie 973.000 Besucher. Ungebrochen ist hingegen das Interesse an der Gedenkstätte Hohenschönhausen. 445.000 machten sich 2015 auf dem Weg zum früheren Stasigefängnis, 2014 waren es 436.00 und im Jahr zuvor 370.000. Alle Standorte der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gemeinsam verbuchten ein kleines Plus. 230.000 Besucher waren es 2015, ein Anstieg um 7500.

Großer Gewinner im vergangenen Jahr war das Stadtmuseum

Die Berliner Museen hingegen bleiben ein Publikumsmagnet. Im Jahr 2015 verzeichneten die vom Land geförderten Museen mehr als 1,3 Millionen Besucher und damit fast 75.000 oder rund 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der große Gewinner dabei war das Stadtmuseum. Kamen 2014 noch 210.000 Menschen, waren es 2015 dann 267.00. Seit dem
1. Februar 2016 haben die Häuser mit dem Holländer Paul Spies einen neuen Direktor. Mehr Gäste konnten zudem die Domäne Dahlem, das Schwule Museum, das Brücke-Museum, das Käthe-Kollwitz-Museum sowie das Bauhaus-Archiv verzeichnen. Das im vergangenen Sommer eröffnete Kunsthaus Dahlem besuchten 11.700 Menschen.

Einen Rückgang der Besucherzahlen musste dagegen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hinnehmen: Mit knapp 3,8 Millionen Gästen kamen 108.000 Besucher weniger als im Vorjahr. Allerdings sei der Verlust durch die Schließung der Neuen Nationalgalerie – 257.000 Besucher im Jahr 2014 und seit 2015 geschlossen – und großer Teile des Pergamonmuseums geringer ausgefallen, als zuvor erwartet wurde, hieß es. Zudem habe es an den Berliner Standorten der Stiftung einen Anstieg von 14,4 Prozent auf 626.003 Gäste gegeben. „Trotz der notwendigen Schließungen einiger Häuser für Sanierungen ist die Anziehungskraft unserer Museen und Gedenkstätten ungebrochen“, erklärte Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD).

Er verwies darauf, dass gerade in Zeiten verstärkter gesellschaftlicher Debatten es wichtig sei, dass Museen und Gedenkstätten als Orte einer kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein vielfältiges Publikum erreichen. „Es geht dort nie ‚nur‘ um die Vergangenheit, sondern immer auch um die Frage nach den Voraussetzungen demokratischen Zusammenlebens“, betonte Müller.