Kultur

Cello und Flöte finden in atmenden Melodien zusammen

Um die Kunst des Trios geht es beim „Intonations“-Festival

Das Cello singt ein klagendes Lied über schwebenden Klavierakkorden, die Geige erwidert mit präzis artikulierter Harmonik. Als die Musik plötzlich in einen Tanz einmündet, grollen und hüpfen die Instrumente. Der Kunst des Trios widmet sich der dritte Abend des Jerusalem International Chamber Music Festival, aber das Programm von "Intonations" im Jüdischen Museum wirkt für keinen Moment eintönig. Die unterschiedlichen Formationen an Instrumenten und Musikern sorgen für Frische auch bei wohlbekannten Werken.

Dvořáks Klaviertrio Nr. 4 "Dumky" wechselt zwischen langsamen, träumerischen Passagen und Bearbeitungen der Dumka, eines aus der Ukraine stammenden Volksliedes. Mit großer Fantasie steuert Pianistin Plamena Mangova die Übergänge von weichen Farben bis hin zu wirbelnden Tanzrhythmen. Der Cello-Doyen Frans Helmerson bringt raffinierte Emotionen zum Klingen, sein Ton ist intensiv, aber nie zu laut. An der Geige ist Kolja Blacher ein einfühlsamer Partner, welcher die Melodien zum deutlichen Sprechen bringt.

Martinůs Trio für Flöte, Violoncello und Klavier in Es-Dur, das "Grand Trio", entspricht dem Thema Emigration des diesjährigen Festivals. Das Werk entstand im amerikanischen Exil, nachdem Paris von den Nazis besetzt worden war. Farbenreich und neoklassisch ist der erste Satz, mit einer karikaturistischen Leitmelodie der Flöte. Der begehrte Solist und langjähriges Mitglied der Berliner Philharmoniker Emmanuel Pahud lässt an der Klangqualität nichts mehr zu wünschen übrig. Am Klavier begleitet der junge Pianist Denis Kozhukhin mit verspieltem, aber fokussiertem Ton.

Im folgenden, manchmal ätzend langsamen Satz schafft der Pianist einen Untergrund von sich verschiebenden Harmonien, während die Flöte und das Cello (Timothy Park) in lang atmenden Melodien meisterhaft zusammenfinden. Die fokussierte Intensität des Ensembles lässt im Schlusssatz nicht nach. Die Rhythmen sind biegsam, der Dialog spritzig. Es ist faszinierend zu hören, wie der Komponist auf die Folklore der nordamerikanischen Indianer und auf Jazzmusik zurückgreift.

Der Abend wird von Beethoven umrahmt und erlaubt einen Blick in seine frühe künstlerische Entwicklung. Das Trio für Klavier, Flöte und Fagott in G-Dur wollte der Komponist zu seinen Lebzeiten eigentlich nicht veröffentlichen, so stark ist die Musiksprache an Mozart angelehnt. Pahud verleiht den Melodien aber eine quasi opernhafte Qualität. Beethovens etwa vier Jahre später entstandenes "Grand Trio" für Klavier, Klarinette und Violoncello erweist seine charakteristische Wehmütigkeit, besonders im zweiten Satz, welcher als sein erstes wahres "Scherzo" gilt. Festivalleiterin Elena Bashkirova beherrscht die anspruchsvolle Klavierpartie mit Autorität. Klarinettist Pascal Moraguès phrasiert sinnlich und geschmeidig, der junge Cellist Pablo Ferrández fügt sich mit schlankem Ton ein und verleiht der Melodie im Scherzo-Satz einen edlen Ausdruck.

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