Deutscher Filmpreis

Lola 2016: Showdown zwischen Nazijäger und Satire-Hitler

Am Freitag wurden die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis bekannt gegeben. Klarer Favorit ist „Der Staat gegen Fritz Bauer“.

Sie gaben die Nominierungen bekannt: Filmakademie-Präsidentin Iris Berben, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Schauspielerin Christiane Paul (v.l.)

Sie gaben die Nominierungen bekannt: Filmakademie-Präsidentin Iris Berben, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Schauspielerin Christiane Paul (v.l.)

Foto: Britta Pedersen / dpa

Monika Grütters ist guter Dinge. Die Kulturstaatsministerin freut sich, dass Maren Ades Film „Toni Erdmann“ gerade nach Cannes eingeladen wurde, als erster deutscher Wettbewerbsbeitrag seit 2007. Frau Grütters freut sich auch über das erfolgreiche Filmjahr 2015 fürs deutsche Kino und dass auch 2016 gut gestartet sei.

Das muss sie natürlich von Berufs wegen, vor allem am Freitagmorgen, als im Filmhaus am Potsdamer Platz die Nominierungen für den 66. Deutschen Filmpreis bekannt gegeben werden. Man muss ihr da aber nicht unbedingt beipflichten. Die Nominierungen belegen eher, dass es zumindest künstlerisch ein mageres Jahr war.

Der klare Favorit ist Lars Kraume

Dass Lars Kraumes grandioses Politdrama „Der Staat gegen Fritz Bauer“ über die Aufarbeitung von NS-Verbrechen durch den titelgebenden Juristen gleich in neun von 16 Kategorien nominiert ist, ist mehr als verdient: Es ist der mit Abstand überzeugendste Film der vergangenen Monate. Das wird sicher entsprechend mit Preisen belohnt, wenn die Lolas am 27. Mai im Palais am Funkturm verliehen werden.

Mit großem Abstand folgen die eher harmlose Hitler-Satire „Er ist wieder da“, der auch eher enttäuschende Politthriller über „Colonia Dignidad“, Wolfgang Beckers Romanverfilmung „Ich und Kaminski“ sowie die kleine, aber sehr starke Milieustudie „Herbert“ mit Peter Kurth, die alle fünf Mal nominiert sind.

Die großen deutschen Regisseure, sie kommen diesmal eher schlecht weg. Tom Tykwers „Ein Hologramm für den König“ ist zwar in der Königskategorie als Bester Film nominiert, aber weder bei der Regie noch beim Drehbuch oder beim Hauptdarsteller, nur noch bei Schnitt und Ton. Was aber, muss man sich da fragen, macht dann einen möglichen Besten Film aus?

Noch schlimmer trifft es Wolfgang Becker. Mit „Kaminski“ ist er zwar in der Vierer-Gruppe mit fünf Nominierungen, aber alle nur in Nebenkategorien. Am schlimmsten trifft es Wim Wenders: Sein „Every Thing Will Be Fine“, der auf der Berlinale 2015 alle gerührt hat, ist gerade einmal nominiert: für die Filmmusik.

Til Schweiger kneift mit Tschiller

Der Deutsche Filmpreis, mit einem Preisgeld von knapp drei Millionen Euro der höchstdotierte deutsche Kulturpreis überhaupt, über den die 1.700 Mitglieder der Deutschen Filmakademie abstimmen, wird 2016 wohl zum Showdown zwischen dem Nazijäger Fritz Bauer – und dem wiedergekehrten Hitler.

Sie treffen beim Besten Film, bei der Regie und beim Hauptdarsteller direkt aufeinander. Wobei bei Letzterem auch Peter Kurth große Chancen hat, der mit seiner exzeptionellen Performance den Film „Herbert“ ganz alleine trägt. Warum „Colonia Dignidad“ so oft nominiert ist, ist dagegen schwer zu erklären.

Als beste Schauspielerinnen treten Jördis Triebel für „Ein Atem“, Rosalie Thomass für „Grüße aus Fukushima“ und Laura Tonke für „Hedi Schneider steckt fest“ an. Starke Leistungen, aber in Filmen, die nicht über drei Nominierungen kommen.

Dass einige Produktionen gar nicht auftauchen, liegt auch daran, dass sie nicht fürs laufende Jahr eingereicht wurden. Wie etwa Nicolette Krebitz’ gerade erst gestarteter Film „Wild“. Andere wollten sich dem Rennen gar nicht erst stellen. Til Schweiger etwa, der sich sein Dauer-Hickhack mit der Lola diesmal bei „Tschiller: Off Duty“ ersparen will.

Auch „Fack ju Göhte 2“, der mit über 7,6 Millionen Zuschauern mit Abstand erfolgreichste Film des vergangenen Jahres, will nicht als Verlierer dastehen. Der Preis für den besucherstärksten Film ist ihm ja gewiss.

Nein, da können Monika Grütters, Iris Berben und Christiane Paul bei der Verkündung der Nominierungen noch so sehr strahlen: Es war kein ganz so gutes Jahr für den deutschen Film.

Die wichtigsten Nominierungen im Überlick

BESTER SPIELFILM (Nominierungsprämie je 250 000 Euro):

- „Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume

- „Er ist wieder da“ von David Wnendt

- „Ein Hologramm für den König“ von Tom Tykwer

- „Grüße aus Fukushima“ von Doris Dörrie

- „Herbert“ von Thomas Stuber

- „4 Könige“ von Theresa von Eltz

BESTER KINDERFILM (Nominierungsprämie je 125 000 Euro):

- „Heidi“ von Alain Gsponer

- „Rico, Oscar und das Herzgebreche“ von Wolfgang Groos

BESTER DOKUMENTARFILM (Nominierungsprämie je 100 000 Euro):

- „Above and Below“ von Nicolas Steiner

- „Democracy - Im Rausch der Daten“ von David Bernet

- „Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen“ von Dominik Graf

BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE:

- Jördis Triebel („Ein Atem“)

- Rosalie Thomass („Grüße aus Fukushima“)

- Laura Tonke („Hedi Schneider steckt fest“)

BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE:

- Burghart Klaußner („Der Staat gegen Fritz Bauer“)

- Oliver Masucci („Er ist wieder da“)

- Peter Kurth („Herbert“)

BESTE WEIBLICHE NEBENROLLE:

- Anneke Kim Sarnau („4 Könige“)

- Lina Wendel („Herbert“)

- Laura Tonke („Mängelexemplar“)

- Barbara Sukowa („Vor der Morgenröte“)

BESTE MÄNNLICHE NEBENROLLE:

- Ronald Zehrfeld („Der Staat gegen Fritz Bauer“)

- Fabian Busch („Er ist wieder da“)

- Michael Nyqvist („Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück“)

BESTE REGIE:

- Lars Kraume („Der Staat gegen Fritz Bauer“)

- David Wnendt („Er ist wieder da“)

- Maria Schrader („Vor der Morgenröte“)

AUSZEICHNUNGEN, die bereits feststehen:

BESUCHERSTÄRKSTER FILM DES JAHRES: „Fack Ju Göhte 2“ von Bora Dagtekin

EHRENPREIS: Filmproduzentin Regina Ziegler