Kinderbuch

Sven Nordqvist: "Pettersson und ich sind uns ähnlich"

Sven Nordqvist, der Erfinder von Pettersson, ist ein Superstar des Kinderzimmers. Mit seinen Helden hadert der Autor, der bald 70 wird.

Helden des Kinderzimmers: Pettersson und Findus  sind die  berühmtesten Figuren, die Sven Nordqvist erfunden hat

Helden des Kinderzimmers: Pettersson und Findus sind die berühmtesten Figuren, die Sven Nordqvist erfunden hat

Foto: Sven Nordqvist/Verlagsgruppe Oetinger / BM

Der schwedische Illustrator und Autor hat mit seinen Geschichten um den grummeligen Einsiedler Pettersson, der mit Kater Findus in einem Blockhaus lebt, weltweit kleine und große Leser verzückt. Am 30. April wird er 70 Jahre alt, gerade ist bei Oetinger eine Autobiografie in Bildern erschienen: "Eine Bilderreise". Im Interview sagt Norqvist, warum es ihn ärgert, wenn alle nur über Pettersson reden:

Berliner Morgenpost: Als ich meiner großen Tochter von dem Interview mit Ihnen erzählt habe, war sie begeistert. Auf die Frage, was sie mit Pettersson und Findus verbindet, sagte sie: "Kindheit". Hören Sie oft solche Komplimente?

Sven Nordqvist: Ich treffe nicht oft Leute, aber ich habe schon ähnliche Dinge von Menschen gehört, die mit diesen Büchern aufgewachsen sind und sie mochten. Es ist eine nette Sache, wenn junge Menschen das sagen.

Ihr jüngstes Buch "Eine Bilderreise" erzählt Ihr Leben in Bildern. Ein Geschenk zum 70. Geburtstag?

Ich war sehr geschmeichelt, als ich vom Verlag gebeten wurde, dieses Buch zu machen, weil ich es ein bisschen leid bin, dass alle nur über Pettersson und Findus sprechen. So war ich in der Lage zu zeigen, dass ich viele andere Dinge gemacht habe.

Sind Sie Ihrer beiden Helden inzwischen ein wenig überdrüssig?

Ich bin sie nicht wirklich leid. Aber ich fühle mich ein bisschen schlecht, wenn die Leute denken, dass dies das Einzige ist, was ich gemacht habe. Zum Beispiel habe ich viele Dinge gebaut wie Spielskulpturen, mechanische Konstruktionen und hölzerne Reliefs für eine Schule und Krankenhäuser – auch das ist mir sehr wichtig. Und bevor ich mit Illustrationen begonnen habe, habe ich mich viele Jahre lang mit grafischer Kunst beschäftigt.

Wir müssen trotzdem noch etwas über Pettersson reden. Der alte Mann lebt in einem Blockhaus inmitten wilder Natur und hat eine wunderbare Freundschaft mit Kater Findus. Ist es eine Art Utopie, die Sie da entwerfen?

Nein, für mich fühlt es sich so einfach natürlich an. Ich will mich nicht allein fühlen, aber ich mag es, allein zu sein. Und das ist auch Petterssons Art zu leben. Wir sind uns überhaupt ziemlich ähnlich. Ich habe in diese Figur viel von mir selbst gesteckt, ohne viel darüber nachzudenken.

Wie erklären Sie sich, dass Kinder diesen alten und wunderlichen Mann so sehr mögen?

Ich denke, es kommt daher, dass sie sich mit Findus stark identifizieren. Dieser kleine Kater führt ein ziemlich gutes Leben mit diesem netten alten Mann, der für ihn sorgt und mit ihm spielt.

Repräsentiert Findus das Genialische des Kindseins, seine wilden Seiten?

Findus ist frei, er muss nicht zur Schule gehen und ist nicht gezwungen, dies oder das zu tun. Das ist ein perfektes Kinderleben.

Als Ihr Meisterwerk bezeichnen Sie das Bilderbuch "Wo ist meine Schwester?", die Traumreise einer kleinen Maus durch fantastische Landschaften. Bedeutet Ihnen dieses Buch noch mehr als die Pettersson-Bücher?

Pettersson ist wichtig, er hat mich sehr bekannt und reich gemacht. Viele Leute mögen die Bücher, und das ist wichtig für mich. Aber ich mag "Wo ist meine Schwester?" sehr, weil die Illustrationen mehr den Bildern in meinem Kopf entsprechen. Ich denke in dieser Art von Bildern für das nächste Buch. Es ist jedoch ein so großes Projekt, dass möglicherweise ein anderes Buch dazwischen kommen wird. Ich rufe gerne das ab, was sich in meinem Unterbewusstsein abspielt und nicht logisch ist. Im Vergleich sind Worte Bildern unterlegen.

Was ist bei Ihnen zuerst da - das Bild oder die Geschichte?

Ich schreibe alle Texte, bevor ich beginne, sie zu illustrieren. Aber ich denke in Bildern - und in diesem Sinne beginnt alles mit meiner Fantasie und mit den Bildern in meinem Kopf.

Schwedische Kinderliteratur ist eine Welt-Marke. Warum gibt es gerade bei Ihnen eine so hohe Dichte an guten Kinderbüchern?

Vielleicht dank Astrid Lindgren und Lennart Hellsing - sie haben etwas Neues begonnen und Kinder als Individuen respektiert. Das Leben ist nicht immer süß und glücklich, wie es schlechte Bücher für Kinder glauben lassen: In Schweden dürfen Kinder Probleme haben, sie dürfen böse und hässlich und alles Mögliche sein. Das ist das Besondere - Kinder können sich darin leicht wiedererkennen.

Welche Grenzen sehen Sie, welche Bilder kann man Kindern nicht zumuten?

Ich zensiere oft Bilder, die zu gewalttätig sind. Ich will keine Kinderbücher machen, die alle bösen und schlechten Dinge in der Welt zeigen, die Morde und die Zerstörung. Aber: Grafische Kunst könnte ich mir dazu sehr wohl vorstellen.

Ist ein Happy End für Sie in einem Kinderbuch ein Muss?

Wenigstens die Hoffnung auf ein Happy End - ich möchte das Kind nicht mit schwierigen Fragen alleine lassen. Meine Bücher sind für kleine Kinder. Ich denke, es ist besser, auf der guten und sicheren Seite ins Leben zu starten.

Ende 2016 wird ein weiterer deutscher Pettersson-Spielfilm ins Kino kommen. Wie war es, im ersten Teil, in dem noch Ulrich Noethen den Pettersson spielte, Ihre Figuren von Schauspielern verkörpert zu sehen?

Ich war glücklich mit dem Film. Die Macher haben sich so viel Mühe gegeben, die Szenerie gut und lebendig zu gestalten. Es war leicht, Findus zu mögen, und Ulrich Noethen war ein guter Schauspieler. Er war zwar nicht der Pettersson, den ich im Kopf habe, wenn ich meine Bücher mache, aber ich mochte diese Version auch.

Planen Sie noch ein weiteres Pettersson-Buch?

Darüber denke ich nicht nach - in meinem Kopf sind andere Bilder.

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