Kultur

Ein Lehrstück über Gewalt an der Schule

Alle spielen alle: „Böse Kinder“ im Theater an der Parkaue

Der Lehrerin reißt der Geduldsfaden. Das neue Mädchen hört ihr schon wieder nicht zu. Jedes Mal, wenn die Pädagogin versucht, der Schülerin geduldig entgegenzukommen, scheitert sie. Die verweigert aber jegliche Kommunikation. Jedes Mal, wenn die Lehrerin etwas sagt, nimmt das Mädchen eine Trompete in die Hand und bläst hinein. Die Lehrerin redet gegen eine Wand. Kommt nicht an das Kind heran. Plötzlich vergisst sie sich und wird handgreiflich. Damit löst sie unter den anderen Schülern eine Welle der Gewalt aus. Als es zur Pause klingelt, versammeln sich die Zwölfjährigen auf dem Schulflur. Ihr Opfer: das neue Mädchen.

„Böse Kinder“ von der rumänischen Dramatikerin Mihaela Michailov feierte jetzt unter der Regie von Katrin Hentschel seine deutschsprachige Erstaufführung im Theater an der Parkaue. Gezeigt wird es im Rahmen des Projektes „Fabulamundi – Playwriting Europe“. Das von der EU geförderte Programm findet in einer Kooperation zwischen mehreren Theaterbühnen aus fünf europäischen Ländern statt und befindet sich jetzt bereits in seiner dritten Runde. Diesmal mit dem Thema Crossing Generations.

Mit minimalen Mitteln wird ein außergewöhnliches Stück geschaffen. Bühne und Kostüm sind stark reduziert. Die fünf jungen Darsteller spielen die Geschichte um das neue Mädchen ohne aufwändige Requisiten. Als Werkzeuge dienen ihnen lediglich Worte, Mimik und Gestik. Dabei spielt jeder jede Rolle, was zwar manchmal etwas verwirrend ist, aber jenseits der üblichen Rollen­verteilung auch einen eigenen Reiz hat: Alle sind gleich. „Böse Kinder“ zeigt die Auswirkungen von Gewalt und Gruppendynamik und ist auch ein Stück über den Verlust der Individualität, der Gleichschaltung und dem Anderssein. Ein Abend, der große Eindrücke hinterlässt.

Theater an der Parkaue Lichtenberg.
Tel.: 55 77 52 52. Nächste Termine:
13./14. April, 16.–18., 20 u. 30. Juni