Kultur

Falsche Freunde der Staatsoper

Ausschuss wertet erste Erkenntnisse aus. Die Piratenfraktion rechnet mit den Spendern ab

Die Staatsopernsanierung bleibt ein Skandal. Wenn das Opernhaus Unter den Linden am 3. Oktober 2017 wieder eröffnet wird, dann hat es deutlich mehr als 400 Millionen Euro gekostet und war statt drei insgesamt sieben Jahre geschlossen. Das Abgeordnetenhaus hatte 2015 einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, um nach Schuldigen und Fehlentscheidungen zu suchen. Mitte April werden die letzten Zeugen vernommen, danach feilschen die Fraktionen um den Abschlussbericht und wie jeder die Wahrheiten öffentlich deutet. Die Piratenfraktion um Ausschussmitglied Wolfram Prieß ist vorgeprescht und hat am Donnerstag den Bericht „Falsche Freunde“ vorgelegt. Mit dem Staatsopernskandal und dem Berliner Filz will sich die Studie auseinandersetzen. Auf 12o Seiten geht es um die Rolle der „Freunde und Förderer der Staatsoper“ bei der Sanierung.

Der Skandal ist eigentlich schnell umschrieben. Die Opernförderer haben mit dem Esel-Möhre-Prinzip gespielt. Die Möhre waren 30 Millionen Euro, die als verlockende Privatspende an der Stange vorausgetragen wurden. Der Esel, in diesem Fall ein Goldesel, sollte munter hinterhertraben. Der Bund hat ganz schnell 200 Millionen Euro eingebracht, und am Ende der Strecke wird das Land Berlin eine ähnlich große Summe draufgezahlt haben. Der eigentliche Skandal ist, dass die Möhre gar nicht nahrhaft war. Statt der 30 Millionen haben die Förderer gerade mal 3,5 Millionen Euro zusammengekratzt. Mit viel Gezerre hinter den Kulissen.

„Dabei hat die Spendenzusage maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Bund in das Sanierungsvorhaben Staatsoper einbrachte“, sagt Prieß. Die Zusage findet sich sogar in der Präambel der Verwaltungsvereinbarung von 2009. Auch die Landespolitik spielte in der Öffentlichkeit geschickt mit der Zusage, an die sich im Nachhinein der Förderkreis nicht mehr recht erinnern kann. Unternehmer Peter Dussmann, der die Freunde seinerzeit anführte, ist 2013 verstorben. Die Piraten sprechen davon, dass „das Beispiel Staatsopernfreunde exemplarisch für ein systemisches Umfeld“ sei, in dem millionenschwere Entscheidungen in Berlin getroffen werden. Das Ganze sei gut vernetzt am Rande von Opernpremieren oder auch im Bundeskanzleramt geschehen.

Bei der Staatsoper ging die Einmischung des Freundeskreises weit über das Finanzielle hinaus. Im Streit über den modernen Zuschauerraum reklamierte man, für die „gesamte Stadt“ zu sprechen, und forderte den alten, historisierenden Paulick-Saal ein. Es stand die Drohung im Raum, die 30-Millionen-Spende zurückzuziehen. Der Paulick-Saal kommt, die 30 Millionen nicht. Die akustisch zeitgemäße Rekonstruktion, wofür die Decke angehoben wurde, führte zu einer weiteren Kostensteigerung der Sanierung.

Lange Verhandlungen gab es auch um die Untertitelungsanlage. 1,1 Millionen Euro waren zugesagt, schließlich im August 2014 auf 600.000 Euro konkretisiert. Nachdem sich der Preis für die Anlage erhöht hatte, stiegen die Förderer komplett aus. Die Planungen haben das Land bereits 250.000 Euro gekostet. Auch das trägt der Steuerzahler.