Rundfunkrat

Patricia Schlesinger wird neue RBB-Intendantin

Die NDR-Journalistin Patricia Schlesinger wird Nachfolgerin von RBB-Intendantin Dagmar Reim. Sie setzte sich gegen Theo Koll durch.

Patricia Schlesinger wird neue RBB-Intendantin

Patricia Schlesinger wird neue RBB-Intendantin

Foto: dpa

„Ich möchte mit dem, was ich mache, auch gesehen werden“, hat Patricia Schlesinger 2013 in einem Interview erzählt, das sei ihre „oberste Maxime“. Diesen Leitspruch kann sie für ihre neue Aufgabe gleich aufbewahren, wenn sie ihre Zeit beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) beginnt. Der Rundfunkrat suchte explizit jemanden, der erfahren in der TV-Branche ist und die maue Quote des Senders verbessert. Ab dem 1. Juli wird es soweit sein, ab diesem Zeitpunkt ist Patricia Schlesinger die neue Intendantin des RBB. Sie folgt auf Dagmar Reim, Gründungsintendantin des Senders, die aus privaten Gründen ihr Amt aufgibt.

Es wurde vor allem eine lange Wahl. Sechs Wahlgänge, die sich über fünf Stunden zogen, benötigte der Rundfunkrat, um sich auf einen Intendanten zu einigen. „Es war ein langes Warten, es kam mir vor wie Tage“, sagte Patricia Schlesinger nach der Wahl. Sie sehe ihrer Aufgabe mit „großer Freude” entgegen und wolle, dass „der RBB noch stärker wird, dass das Programm noch besser” werde. Sie habe beim Sender viel vor, vor allem, was das Fernsehen betrifft.

Die ARD-Vorsitzende Karola Wille gratulierte Patricia Schlesinger im Namen der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands zur Wahl. „Für Ihr neues Amt wünsche ich Ihnen einen guten Start, ein erfolgreiches Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen sowie einen fruchtbaren Dialog mit der Gesellschaft über Relevanz und Akzeptanz unserer Angebote.“ Als ARD-Vorsitzende freue sie sich auf die anstehende Zusammenarbeit. NDR-Intendant Lutz Marmor gratulierte ihr – und bedauerte ihren Verlust, der ein großer Gewinn für den RBB sei.

Es war von vornherein klar, dass die Wahl nicht leicht wird

Bei der Begrüßung in der RBB-Fernsehzentrale in Potsdam hatte Friederike von Kirchbach, Vorsitzende des Rundfunkrates, schon darauf hingewiesen, dass die Wahl nicht ganz einfach werde. Mit Patrica Schlesinger hat sich in dem Duell mit Theo Koll, ZDF-Korrespondent in Paris seit 2014, die Kandidatin durchgesetzt, die im Vorfeld in Mediendiensten als leicht favorisiert galt, obwohl Qualifikation und Werdegang der beiden ähnlich sind.

Beide verfügen sie über Auslands- und Leitungserfahrung, beide sind anerkannte Journalisten, die mit Leidenschaft über ihren Beruf erzählen, der für sie eine Berufung ist. Für Patricia Schlesinger, so hatten es Rundfunkräte in den Tagen zuvor durchblicken lassen, sprach, dass sie die ARD kenne und - ein Argument, das man immer wieder hörte -, eine Frau ist. Zu vermerken ist aber auch, dass sie zu einer Frauengeneration gehört, die sich in einer Zeit durchsetzen konnte, als noch kaum jemand von Quote geredet hatte.

Die 54-Jährige leitet seit 2007 den Programmbereich Kultur und Dokumentation beim NDR, bei dem Sender hatte sie auch volontiert. Einem größeren Publikum wurde sie bekannt, als sie als Korrespondentin für die ARD aus Washington und Singapur berichtete. Sie ist verheiratet mit einem Journalisten, gemeinsam haben sie eine Tochter.

Wenn man sich umhört, was für ein Typ sie sei, fallen unter Garantie die Worte „durchsetzungsfähig”, „entschlossen”, „tough”, aber auch „offen” und „zugewandt”, einer beschreibt sie als „etwas herrisch”, wenngleich das wohl ein Attribut für jede Führungskraft ist, die ihren Job nicht als Frühstücksdirektor versteht. Dass sie ungemütlich werden kann, wenn andere mit weniger Fleiß und Leidenschaft bei der Sache sind, soll das eine oder andere Mal vorgekommen sein. Jemand, der ihr nahe steht, hat Schlesingers Art der Streitkultur mit den Worten beschrieben: „Sie ist wetterfest, und sie hält Gegenwind aus.“

Moderator Jörg Thadeusz, das Aushängeschild des RBB, beschreibt sie als „sehr charmant, sehr humorvoll”. Sie gehöre zu denen, so erzählt er, über die man sich „ehrlich freue, wenn man sie zufällig trifft”. Jörg Thadeusz hatte die NDR-Sendung „Extra 3” moderiert, Patricia Schlesinger habe sich immer sehr dafür interessiert, was die Kollegen machen.

In Hamburg wird man Schlesinger vermissen

Ihre Kollegen in Hamburg berichten über sie mit einer Mischung aus Sympathie und Respekt, hier wird jemand vermisst werden. Sie beherrsche den Smalltalk ebenso wie die inhaltliche Auseinandersetzung über eine Filmproduktion. Kommunikativ und meinungsfreudig sei sie; keine Frau, die anderen nach dem Mund redet und um jeden Preis gefallen will. In der Branche gilt sie als ausgesprochen zuverlässig. „Sie ist eine Steherin. Wenn sie etwas sagt, dann gilt ihr Wort“, sagt die Produzentin Katharina Trebitsch.

Schlesinger steht für eine Form der gehobenen Fernsehunterhaltung, die auf politische Dokumentationen und fiktionalen Mehrwert gleichermaßen setzt. „Ich möchte Relevantes zeigen”, hat sie in einem TV-Interview gesagt, das solle „keine Unterhaltung, kein Tralala” sein, die Art und Weise, wie sie das Wort „Tralala” aussprach, lässt erahnen, wie schwer die Zeiten für die Freunde des Boulevards innerhalb des RBB werden. In ihr vereinten sich Visionäres und ein gesunder Pragmatismus und Realitätssinn, beschreibt es Produzentin Trebitsch.

Gemessen wird Schlesinger an der Quotenentwicklung im TV-Programm. Der Rundfunkrat kennt alle Gründe für den bescheidenen Marktanteil, die die bisherigen Führungskräfte des RBB intern benennen. Dem Sender fehle das Geld für hochwertiges Programm, zwei „Tatorte“ und einen „Polizeiruf“ strahlt der Sender in diesem Jahr aus. Der RBB müsse, so hört man immer wieder, ein Programm für die Bevölkerung auf dem Land und in der Stadt senden, deren Vorlieben sich nur entfernt decken. Auch die Frage, wie hip, jugendlich, modern das Programm zu sein hat, ist eine der liebsten, weil kaum zu beantwortenden Fragen.