Klassik-Kritik

Mühsames Spiel an der Seite eines Geigenstars

Anne-Sophie Mutter führt ihre Virtuosi in der Philharmonie vor

Anne-Sophie Mutter, die Übermutter: glamouröses Vorbild für ganze Generationen von Geigerinnen und erfahrene Förderin des Streichernachwuchses. 1997 gründete sie eine internationale Stiftung für Hochbegabte. Wichtiger Bestandteil dieser Institution: eine gemeinsame Konzerttournee unter dem Namen „Mutter’s Virtuosi“, die seit 2013 jährlich stattfindet und diesmal auch in der Philharmonie Zwischenstation macht. International berühmt gewordene Stipendiaten wie Daniel Müller-Schott oder Vilde Frang sind bei der Tour zwar nicht dabei. Dafür aber zwei andere erfahrene Profis, die eigentlich auch schon der Stiftung entwachsen sind: der Cellist Maximilian Hornung und – in der Philharmonie ein sehr bekanntes Gesicht – Wei Lu, Konzertmeister des Deutschen Symphonie-Orchesters seit 2004.

Wie bereits auf ihrer Europa-Tournee vor einem Jahr führen „Mutter’s Virtuosi“ Bachs d-Moll-Doppelkonzert, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und ein Werk von André Previn mit sich. Der amerikanische Komponist, mittlerweile 86, ist Anne-Sophie Mutters Ex-Ehemann und nach wie vor ein enger musikalischer Vertrauter. Sein jüngstes Werk, ein Nonett für zwei Streichquartette und Kontrabass, gehört zu einer ganzen Reihe von Kompositionen, die Previn der Stargeigerin gewidmet hat. Denn Komponieren, das heißt für Previn immer auch: Komponieren für eine bestimmte Person, die ihn inspiriert. Dass er Anne-Sophie Mutter die schönsten, erhabensten Momente in diesem Nonett schenkt, versteht sich da von selbst. Es ist ein Werk, das als Paradebeispiel für den sogenannten Amerikanismus gelten kann, eine von leichter Hand geformte Schmelztiegel-Komposition. Unterhaltsam schon allein deswegen, weil man darin so viele unterschiedliche amerikanische und europäische Komponisten wiederzuerkennen meint: Korngold, Prokofieff, Miklós Rósza, Bartók, Mancini, Leonard Bernstein – um nur einige zu nennen.

Dass Anne-Sophie Mutter noch immer der glamouröseste Geigenstar Deutschlands ist, gereicht ihren Stipendiaten nicht nur zum Vorteil. Respekt und Zurückhaltung ist in Bachs Doppelkonzert zu spüren, nicht nur im Ensemble, sondern auch bei den von Satz zu Satz wechselnden Solistenpartnern an Mutters Seite. Da ist der klangschöne Albrecht Menzel, der sich im langsamen Satz beinahe schüchtern hintanstellt. Und da ist der solide Wei Lu, der das Finale recht monochrom mitgestaltet. Erst bei Vivaldi schwingt sich mit Cellist Maximilian Hornung ein ebenbürtiger Kontrahent auf. Während Anne-Sophie Mutter weiterhin ihren hochexpressiven Personalstil pflegt, einen Stil, der romantische Schluchzer und fahle Töne ebenso wie ein bis ins Tremolo gesteigertes Luxusvibrato beinhaltet, setzt ihr Hornung ein ganz anderes Mittel entgegen: kecken Humor.