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Volker Herres zieht seine Kandidatur beim RBB zurück

Intendantenwahl: Kommende Woche muss sich der Rundfunkrat zwischen Patricia Schlesinger und Theo Koll entscheiden.

Bleibt bei der ARD: Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen

Bleibt bei der ARD: Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen

Foto: Herby Sachs / ARD/WDR/Herby Sachs

Er sagte per SMS dem RBB-Rundfunkrat ab. ARD-Programmdirektor Volker Herres tritt nun doch nicht am kommenden Donnerstag an, wenn der Rundfunkrat über den künftigen Intendanten des RBB abstimmen wird. „Als RBB-Intendant in der Hauptstadtregion gefragt zu sein, habe ich als ehrenvoll empfunden“, erklärte Herres am Donnerstag. „Meine jetzige Aufgabe ist indes so spannend und herausfordernd, dass ich diese Arbeit gern mit großer Leidenschaft und mit Spaß fortsetzen will.“

Ganz überraschend kommt die Absage nicht, dass Herres eine Kampfkandidatur scheut, war zuvor aus Kreisen des Rundfunkrates zu vernehmen. Die Reaktionen auf seine Entscheidung fielen am Donnerstag unterschiedlich aus. Ein Rundfunkrat äußerte Bedauern, schließlich habe Volker Herres ja eine gute Chance gehabt. Es heißt aber auch, dass gerade weil er sich noch am vergangenen Donnerstag der Findungskommission vorgestellt habe, hätte er mit seiner Zögerlichkeit nur Zeit verschwendet. Wer so entscheidungsschwach sei, solle auch besser keinen Sender leiten, hieß es.

Es wird ein knappes Rennen erwartet

Auf jeden Fall erleichtert dieser Rückzug dem Rundfunkrat die Wahl, muss er sich doch jetzt lediglich zwischen zwei Kandidaten entscheiden. Der Leiter des Pariser ZDF-Studios, Theo Koll, und Patricia Schlesinger, die Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation beim NDR-Fernsehen, werden sich am kommenden Donnerstag ab 16 Uhr in Potsdam vorstellen.

Es wird ein knappes Rennen erwartet. Beide Kandidaten finden Unterstützung, eine komplett ablehnende Haltung gegenüber einem der beiden Bewerber ist aus dem Rundfunkrat nicht zu vernehmen. „Wir sind stolz auf die respektablen Kandidaten – da müssen wir uns selber loben, was für eine gute Arbeit wir geleistet haben“, sagte ein Mitglied der Findungskommission dieser Zeitung. Für die Kandidaten spreche, dass sie beide in der Vergangenheit journalistisch herausragend gearbeitet hätten und die Kommission ihnen zutraue, das RBB-Fernsehen, das seit Jahren eine schwache Quote verzeichnet, populärer zu machen. Zudem hatten beide in ihrer Laufbahn sowohl Etat- wie auch Personalverantwortung übernommen und konnten ihre Managementfähigkeit beweisen.

Leicht favorisiert ist Patricia Schlesinger. Es gibt Stimmen im Rundfunkrat, die die Intendanz unbedingt wieder mit einer Frau besetzen wollen. Andere weisen daraufhin, dass der Sender seit 2003 mit Dagmar Reim eine Frau an der Spitze hat; dieses Argument bei der anstehenden Wahl also kein großes Gewicht haben solle. Parteipolitisch präferiert die SPD Schlesinger und die CDU Koll, aber der Rundfunkrat gilt, anders als bei der Kampfabstimmung 2003, heute als pragmatisch und unideologisch. „Wer immer es wird, wir können mit beiden leben“, sagt ein Entscheider. Im Rundfunkrat wird damit gerechnet, dass man sich am kommenden Donnerstag auf einen Intendanten einigen wird.