Staatsoper

Wim Wenders gibt im Schillertheater sein Operndebüt

Große Namen prägen die letzte Staatsoper-Saison im Schiller Theater. Filmemacher Wim Wenders gibt sein Debüt als Opernregisseur.

Wim Wenders auf der Berlinale. Nun wird der Filmregisseur sich an eine Oper wagen

Wim Wenders auf der Berlinale. Nun wird der Filmregisseur sich an eine Oper wagen

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Eigentlich wollen Daniel Barenboim und sein Intendant Jürgen Flimm im Schiller Theater nur die Saisonpläne für 2016/17 bekannt geben. Mit großen Namen rundum. Aber da liegen noch die Dissonanzen um den „Ring des Nibelungen“ in der Luft.

Denn zeitgleich wollen die Staatsoper und die konkurrierende Deutsche Oper im Jahr 2020 die Wagner-Tetralogie auf die Bühnen bringen. Das ist aber nach den Regeln der Berliner Opernstiftung bislang unmöglich. Dubletten sind im Angebot zu vermeiden, zwischen den Premieren müssen mehrere Jahre Pause liegen. Natürlich wird Barenboim danach gefragt. Und man kann kurz zusammenfassen: Der Stardirigent wischt die Einwände beiseite. „Es wird Gespräche geben“, sagt er, aber die werde er nicht in der Öffentlichkeit führen.

"Wenn der ,Ring’ gespielt wird, dann ist es voll“

Dann verweist Barenboim darauf, dass es bereits in den 90er-Jahren zwei „Ringe“ in Berlin gab, einen von Götz Friedrich an der Deutschen Oper und einen von Harry Kupfer an der Staatsoper. „Wenn sich eine Stadt das erlauben kann“, so Barenboim, „dann Berlin!“ Und dann fügt er noch hinzu: „Lasst uns die Sache so sehen, wie sie ist: Wenn der ,Ring’ gespielt wird, dann ist es voll.“ Was natürlich ein gewichtiges Argument für Opernhäuser ist.

Und damit ist für Barenboim alles gesagt. Er verliert keinen Ton über die Stiftung oder irgendwelche Regeln. Er freue sich, fügt er noch hinzu, den „Ring“ in der Deutschen Oper zu sehen.

Die hatte bereits rechtzeitig ihren „Ring“ mit Regisseur Stefan Herheim angekündigt. An der Staatsoper ist Dmitri Tcherniakov im Gespräch. Das werden mutmaßlich zwei grandiose „Ring“-Produktionen, und ja, die Häuser werden voll sein. Jetzt müssen sich noch die Opernstiftung und die Berliner Kulturpolitik dazu positionieren. Man arbeite an einer Lösung, heißt es am Dienstag sibyllinisch aus der Stiftung.

Die letzte Sause in Charlottenburg

Aber 2020 ist auch noch lange hin. Die Pressekonferenz ist eher von einer gewissen Abschiedsstimmung geprägt. Die Staatsoper verlässt im kommenden Jahr ihre Ausweichspielstätte Schiller Theater. Nach sieben Jahren. Gleich nebenan im Café Keese, dort, wo man über Tischtelefone miteinander flirtet, machen Jürgen Flimm und Werkstatt-Chefin Isabel Ostermann gemeinsam im Juli 2017 einen Musiktheaterabend „Ort der Sehnsucht“. Das ist die letzte Sause in Charlottenburg. Isabel Ostermann wechselt anschließend als Operndirektorin nach Braunschweig. Und Flimms Nachfolger Matthias Schulz sitzt bereits seit März mit im Schiller Theater und arbeitet sich ins Intendantenamt ein.

Am 3. Oktober 2017 wird die sanierte Staatsoper Unter den Linden festlich wieder eröffnet. Und wenn eine weitere Baupanne droht? „Es gibt keinen Plan B“, sagt Flimm und zeigt sich zu 99,9 Prozent davon überzeugt, dass die Sanierung bis dahin abgeschlossen ist.

Die Staatsoper plant acht große Premieren im Schiller Theater

Mit Beethovens Oper „Fidelio“ wird die letzte Saison im Schiller Theater eröffnet. Premiere ist traditionell am 3. Oktober. Ursprünglich sollte mit Harry Kupfers Inszenierung das Stammhaus wieder eröffnet werden. Mit Daniel Barenboim am Pult. Dann wurde die Wiedereröffnung verschoben, der „Fidelio“ blieb im Schiller Theater sitzen.

Insgesamt plant die Staatsoper acht große Premieren. Neben „Fidelio“ steht Barenboim bei Strauss’ „Elektra“ sowie bei Bizets „Perlenfischern“ am Pult. Filmregisseur Wim Wenders inszeniert zum ersten Mal eine Oper. Wenders habe sich die Oper von Georges Bizet ausgesucht, weil es die erste Oper war, die er gesehen habe, plaudert Flimm aus. Die Premiere ist am 24. Juni 2017.

Monty-Python-Mitbegründer inszeniert ebenfalls

Eine ungewöhnliche Geschichte wird auch die „Elektra“ (Premiere am 23. Oktober 2016) werden. Es ist die letzte Produktion der französischen Regielegende Patrice Chéreau. Von ihm stammt der „Jahrhundertring“ in Bayreuth, aber auch ein vielfach ausgezeichneter Film wie „Die Bartholomäusnacht“ mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle. Fotos zeigen ihn mit seinem Freund Barenboim 2012 am Rande von Proben im Schiller Theater. Chéreau hat bis zuletzt gearbeitet, 2013 ist er an Lungenkrebs gestorben. In Berlin wird seine Regie posthum gezeigt. Die Titelrolle singt Evelyn Herlitzius.

Ein prominenter Filmregisseur wird auch „La damnation de Faust“ von Hector Berlioz fürs Schiller Theater einrichten. Die Inszenierung übernimmt Terry Gilliam, ein Mitbegründer der britischen Komikergruppe Monty Python. Premiere ist am 27. Mai 2017. Bei den Festtagen 2017 wird Richard Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ aufgeführt. Am 9. April steht Altmeister Zubin Mehta am Pult, die Regie stammt von Claus Guth.