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Wie Adam Green über Beziehungsprobleme singt

Ein Märchenerzähler: Der amerikanische Sänger Adam Green meldet sich mit einer merkwürdig modernen Sicht auf „Aladdin“ zurück.

Adam Green

Adam Green

Foto: Reto Klar

Vor 13 Jahren war er ein Idol. Vor allem in Deutschland. Adam Green war das Idol aller Abiturienten, die die Sarah-Kuttner-Show guckten, sich wegen Sarah Kuttner kleine Sternchen tatauierten und Männer mochten, die so ein bisschen versponnen aus ihren leicht verwaschenen T-Shirts guckten, während sie singend eine Gitarre in den Händen hielten. Adam Green war der Mann im verwaschenen Shirt, der die besseren Texte sang, der sich mehr Mühe gab. Der nicht ständig nur über Liebe und Drogen und Sehnsucht sang, sondern auch über Hakenkreuze aus Mozzarella und Jessica Simpson. Anti-Folk nannte man das.

Und es ging gut. „Jessica, Jessica Simpson, you’ve got it all wrong“ sangen die gut gelaunten, jungen Menschen zwischen Münster und Berlin, während sie auf ihren alten Klappfahrrädern die Straßen herunterfuhren, die sie langsam, aber sicher zu Studenten machten. Adam Green ist heute 33 Jahre alt. In einem Hotel nahe der Warschauer Straße redet er über sein neues Album „Aladdin“, das auch Soundtrack zu einem Film ist, der ebenfalls „Aladdin“ heißt, und den Green in den vergangen drei Jahren geschrieben, gespielt und produziert hat.

Neuer Anstrich für eine alte Geschichte

Drei Jahre lang? In seinen 20ern, sagt Green, hätte er das nicht gekonnt, so lange an nur einem Projekt zu arbeiten. Aber nun in seinen 30ern habe er die Ruhe dazu. Green, der sehr viel überlegt, zwischendurch immer wieder „you know“ sagt und kichert wie ein kleines Disney-Erdmännchen, ist mittlerweile Vater einer einjährigen Tochter und verheiratet mit Yasmin Green, einem Vorstand von Googles Ideen-Abteilung. Ja, seine Frau heiße Yasmin, das habe ihn aber nicht auf die Idee zu Aladdin gebracht, sagt er. Nein, er hatte einfach Lust, dieser alten Geschichte einen neuen Anstrich zu geben.

Schließlich ist Aladdin das materialistischste Märchen überhaupt. Und Aladdin ein Typ, der nicht Mann sein kann ohne eine magische Lampe, die ihm zu Wohlstand verhilft. Die Lampe, sagt Green, sei etwas sehr Phallisches. Das gefalle ihm, denn eigentlich gefalle ihm alles, was irgendwie sexuell sei. Er lacht. Meint es aber ernst. In erster Linie aber wollte er die Aladdin-Geschichte neu erzählen, weil er den Gedanken mag, dass es eine Zukunft geben könnte, in der unbegrenzter Materialismus nicht mehr der Traum schlechthin ist, sondern in der andere Dinge zählen. Mehr zählen. Eine Zukunft, in der der Fokus auf dem Zusammenleben liegt.

Der christliche Jesus wird zum Computer-Mario

Green hat Aladdin also umgedichtet zu einem Antikapitalismusmärchen? Er sagt, zu viel wolle er noch nicht vorwegnehmen. Nur so viel: Die Lampe in seinem „Aladdin“ ist ein 3-D-Drucker. Er sagt, den neuen Technologien mit Internet und Tablets stehe er kritisch gegenüber, was natürlich häufiger mal zu Diskussionen zwischen ihm und seiner Frau führe. Also habe er versucht, die neuen Technologien romantisch zu betrachten. Ein Tablet, sagt er, das sei ja auch schön und magisch wie ein fliegender Teppich, denn es leuchte, während man seine Gedanken eingibt. Und das Internet sei auch eine riesenhafte und wahnsinnig gut designte, soziale Skulptur. Aber eigentlich denke er die ganze Zeit: Tablets und iPhones, das Internet, all das mache uns langfristig zu unselbstständigen Insekten. Eines Tages wird man sich nur noch auf das Internet als Quelle verlassen, glaubt er. Geschichte sei dann wie ein Wikipedia-Eintrag, einfach umschreibbar. In seinem „Aladdin“ hat er diese Fantasie so eingebracht: Der christliche Jesus ist hier umgeschrieben zu Mario, der Nintendo-Computerspielfigur.

Mit Nintendo ist Adam Green aufgewachsen. Auf seinem Album hört man zwischen zwei Liedern eine Filmszene, in der es um elektronische Pilze und Mario-Jesus geht, kurz danach singt er: „Bingo, bango, this is Aladdins Birthday Mambo“. Es ist ein fröhliches Album. Er klimpert mal mit Glöckchen, dann hört man Keyboardtöne und immer klingt die sonore Green-Stimme durch alles hindurch. Insgesamt also ein klassisch-kubistisches Adam-Green-Album. Nur dass man dieses Mal Hoffnung hat, die Texte nach Sichtung des Films noch besser zu durchdringen. Green nickt. Und dann erzählt er, „Super Mario Brothers 3“ war sein Lieblingsspiel gewesen. Er sei zwölf gewesen, als er eines Nachts träumte, er habe als Mario seine Prinzessin gerettet. Das sei sein erster feuchter Traum gewesen.

Alle am Film Beteiligten haben kein Geld bekommen

In seinem „Aladdin“ ist die Prinzessin eine Art Kardashian-Prinzessin. Sie fährt Ferrari und wird von dem britischen It-Girl Bip Ling gespielt. Green sagt, er habe sie in Rom getroffen, bei einem DJ-Set, und sie feiere wirklich wild. Sie lebe dieses It-Girl-Leben aber auch ironisch, wenn sie etwas typisch oberflächlich It-Girl-haftes sage, dann wisse man bei ihr nie, ob sie das auch wirklich so meine. Seine Freunde, die Musiker und Schauspieler Devendra Banhart, Zoë Kravitz, Natasha Lyonne und Macaulay Culkin, spielen auch mit im Film. Es ist ein großes Freundschaftsprojekt, denn niemand habe Geld dafür bekommen. Auch nicht die 50 Filmstudenten, Fans und Künstler, die ihm geholfen haben, das Bühnenbild zu malen. Greens „Aladdin“ besteht nicht nur aus seiner Musik, seinem Drehbuch und seiner Schauspielkunst – Green spielt natürlich Aladdin –, sondern er findet auch in seiner Pappmascheewelt statt. 500 Objekte und 30 Räume hat er gemalt, seine Helfer haben sie ausgemalt.

Die erste Singleauskopplung aus „Aladdin“ ist schon erschienen, sie heißt „Never lift a finger“ und erzählt von Beziehungsproblemen zwischen Aladdin und Yasmin. Sie funktioniert aber auch ohne den Film. Greens Beziehung zu seiner Google-Prinzessin funktioniert überdies auch. Seine Frau hat den Film produziert. Green sagt, er würde sehr gerne noch einmal so ein Großprojekt angehen, allerdings habe seine Frau schon angekündigt, dass dann jemand anders dafür bezahlen müsse.

„Aladdin“ erscheint am 29. April Film & Konzert im Lido am 2. Mai