Kultur

Historiker Heinrich August Winkler wird in Leipzig geehrt

Die Leipziger Buchmesse hat am Mittwochabend den Berliner Historiker Heinrich August Winkler geehrt. Der 77-Jährige erhielt den Preis zur Europäischen Verständigung. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt seinem vierbändigen Opus magnum „Geschichte des Westens“, das er im vergangenen Jahr mit dem Band „Die Zeit der Gegenwart“ abschloss. „Die Kunst, präzise Analyse und anschauliche Erzählung zu verbinden, beherrscht Winkler wie kaum ein zweiter deutscher Historiker“, sagte Laudator Volker Ullrich. Heinrich August Winkler mahnte auf der Veranstaltung eine „nachhaltige Asylpolitik“ an. Sie müsse nicht nur die Grenzen der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit beachten, sondern auch den politischen Rückhalt in der Bevölkerung behalten.

Längst ist Winklers Studie „Der lange Weg nach Westen“ (2000) ein Standardwerk. In der für ihn typischen Mischung aus Geschichte und Geschichten analysiert er darin die Entwicklung Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Hellmuth Karasek schrieb im vergangenen Jahr in dieser Zeitung über die Bücher: „Man darf die Bände als einen umgekehrten Trichter betrachten. Der erste Band reicht von den Anfängen der Antike bis ins 20. Jahrhundert, die letzten beiden Bände ,Vom Kalten Krieg zum Mauerfall‘ und bis in ,Die Zeit der Gegenwart‘, wo wir statt des fröhlich prophezeiten ,Endes der Geschichte‘ neue, nie geglaubte Verwerfungen erleben, wie den Ukraine-Krieg und die blutigen Auseinandersetzungen nach dem Arabischen Frühling, der doch endlich den Nahen Osten befreien und befrieden sollte.“ Es hat sich laut Verlag mehr als 90.000 mal verkauft und wurde in sechs Sprachen übersetzt.

Bis zur Pensionierung 2007 lehrte er an der Humboldt-Universität

Eine „präzise Ortsbestimmung der Gegenwart“ – das ist seit jeher das Forschungsinteresse des Wissenschaftlers, 1938 als Kind einer Historikerfamilie in Königsberg geboren und in der Nähe von Ulm aufgewachsen. Weitere wichtige Werke sind etwa die dreibändige Untersuchung „Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik“, die Studie „Weimar 1918–1933“ und die Essaysammlung „Auf ewig in Hitlers Schatten?“.

Daneben war Winkler „mit Leib und Seele“ auch Lehrer, von 1972 bis 1991 als Professor in Freiburg, danach bis zu seiner Pensionierung 2007 an der Humboldt-Universität in Berlin. Derzeit arbeitet er an einem neuen Buch – und weiter an dem Thema, das ihn umtreibt: „Die Krise Europas und die Verantwortung Deutschlands“.

Bei der Eröffnungsveranstaltung appellierte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels an Autoren und Verleger, sich politisch zu engagieren. „Wir brauchen ein Gegengewicht zu denen, die politisch fordern, ohne Lösungen anzubieten“, sagte Vorsteher Heinrich Riethmüller, „die plakativer Propanda hinterherlaufen und dabei so viel lauter sind als die Nachdenklichen in der Gesellschaft.“