Kultur

Humboldt-Forum: Noch ein Masterplan

Neil MacGregor stellt sich in Berlin vor – und bleibt vage

Das Humboldt-Forum ist bekanntlich das ambitionierteste und größte Kulturprojekt des Landes. Je näher 2019 rückt, die geplanten Fertigstellung des Schlosses, desto stärker wächst der Druck auf die Verantwortlichen, nachvollziehbar zu erläutern, was den Besucher erwarten wird. Nun ist Neil MacGregor, Kopf des Gründungsintendanz-Teams, mal wieder in der Stadt. Der Historiker wird hierzulande verehrt, er hat Preise bekommen, wie die Goethe-Medaille. Sein Buch hat er in der Stadt vorgestellt und er soll es jetzt richten mit dem Humboldt-Forum. Und nun also gibt er sein erstes, lang erwartetes Gespräch über das Humboldt-Forum vor Journalisten. Es heißt, man dürfe ihn nicht zitieren, am Ende darf man es doch.

Der Mittwochmorgen in der Humboldt-Box fügt sich in das bisherige Bild ein, das sich der Beobachter gemacht hat. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Akteuren des Humboldt-Forums funktioniert nicht, die Staatlichen Museen, Humboldt-Universität, das Land Berlin kämpften als Solisten für ihren eigenen Auftritt. Und so mangelte es dem Humboldt-Forum bislang an jenem inhaltlichen Guss, der die Etagen und letztlich das Haus zu dem Weltmuseum verbindet.

MacGregor macht an diesem Morgen, was er eigentlich immer macht, er erzählt, und das kann er. Darüber, wie die Berliner Museen aus den Sammlungen des Berliner Schlosses geboren wurden. Und wie immer wird auch diese Ausführung bei dem Ex-Direktor des British Museum zu einem Parforceritt in Sachen Weltkulturen. Wer erwartet hat, dass der Schotte konkret wird, welche Veränderungen er vornimmt, was er umgestaltet, der wird enttäuscht. „Kein Museum der Welt würde Jahre vorher konkret werden“, sagt er. 2019 soll das Humboldt-Forum eröffnet werden, der Masterplan jedoch wird der Kanzlerin wohl im Herbst vorgestellt werden. Also wieder warten, einige Kollege sprechen vom BER, witzeln, das „Trauma Humboldt-Forum“, sagt einer.

Und dann erzählt MacGregor noch, dass das Haus sich öffnen wird, die Höfe (freier Eintritt) und einzelne Geschosse miteinbezogen werden. Ein schönes Wort kommt auf, die „Volkslustbarkeit“. Durch Musik oder etwa Veranstaltungen der Berlinale dürfte die erhöht werden. Fürs Anarchische haben MacGregor und Mitstreiter Horst Bredekamp ein Faible. Bredekamp bringt die Lust an einem lebendigen Museum auf den Punkt: „Das Humboldt-Forum ist Fluxus.“ Neil MacGregor schaut ihn an, lacht. Immerhin.