Kultur

Hip-Hop, freigegeben ab sechs Jahren

Macklemore in der Mercedes-Arena: Hier gibt es statt obszön tanzenden Frauen Humor und Flügel, Streicher und Bläser

Macklemore, das ist dieser freundlich rappende Großraumdisco-Rapper aus Seattle, der so freundlich ist, dass er sich stets, überall, auf seinen CDs und Tour-Plakaten und Tour-Pullovern „Macklemore und Ryan Lewis“ nennt. Ganz freundlich teilt er die Aufmerksamkeit mit seinem Produzenten. Aber auf der Bühne, da muss dann doch wieder alles seine Ordnung haben, da steht er „und Ryan Lewis“ hinten, hinter den Reglern, beschienen von der großen Leinwand, die rote Teppiche zeigt und Limousinen und Britney Spears, wie sie Madonna küsst, damals, und Kanye West und all die anderen Zeilen aus „Light Tunnels“ bebildert, dem Song in dem Macklemore sein neues Leben als Prominenz reflektiert.

„Shine your light“, rappt er, und es scheint so light. Macklemore, das ist der Rapper, der nie Probleme hatte, also keine echten. Sicher, man kann nachlesen, dass Macklemore mal viel Marihuana geraucht und Hustensaft getrunken hat, weil er das Codein so mochte, aber das liegt schon lange zurück, und so tragen seine Texte, wie er, eine herrlich strahlend weiße Weste. Junge Eltern lieben ihn dafür. Sie bringen ihre Kinder mit in die Mercedes-Benz-Arena.

Sie wissen, Macklemore, das ist ein gutes erstes Konzert. Denn es ist eine Pop-Show, eine große, mit einer großen Ahnung von Hip-Hop und großen amerikanischen Klubs. Aber statt obszön tanzenden Frauen gibt es hier Humor und Flügel, Streicher und Bläser. Die Musiker, sie tanzen mit ihren Instrumenten. Die Musik, die kommt vom Band. „That’s my big reality show that is scripted“. Dann wird alles dunkel, und der Applaus bricht über ihn herein, über Macklemore, denn „und Ryan Lewis“ steht hinten im Dunkeln. Der Rapper im Spotlight kniet nieder. Niederknien, das ist seine Geste. Niederknien statt Beine breit. Die Kinder klatschen. Dann zieht er seinen Parka mit dem neuen Albumtitel auf dem Rücken aus, und den Pullover mit dem Logo auf dem Bauch auch. Macklemore trägt ein simples, graues T-Shirt – wie Mark Zuckerberg. Erfolg, er könnte so einfach sein.

Er sagt Deutschland ist neben Australien sein zweitwichtigster Markt. Applaus. Alle freuen sich für ihn. Hip-Hop-Arme winken über den Köpfen, wie Schlangen über den Körben, es flötet, er lädt sein Publikum ein zu „Thrift Shop“. Seiner Erfolgssingle über einen Secondhandladen und dessen teure T-Shirts. Und der Bass knallt dazu so schön, er massiert die Nasenflügel, lässt sie beben und zittern. Kinder lachen. Kinder quieken. Und fassen sich an die Nase. „I fucking love Berlin“, sagt Macklemore immer wieder. Es ist eben das was Menschen aus den USA sagen, wenn sie in Deutschland auftreten. Dass sie Schnitzel mögen und Bier und Bratwurst und Sauerkraut, aber sich bei Letzterem eigentlich doch nicht so sicher sind.

Dennoch müssen jetzt alle applaudieren für Essen. Für Food. Food is important. Yeah. Dann sagt Macklemore, dass er Deutschland mag, weil es ein gutes Beispiel sei für die Welt, weil es seine Grenzen offen lässt und denen hilft, die Hilfe brauchen. Der Applaus ist noch größer als der für Bratwurst. Sagt er noch – topaktuell! – was zur AfD, fragen sich Mütter und Väter, aber nein, das macht er nicht, hey, er ist Macklemore, er ist Polit-Rap light. Alles light. Handylichter an. Schunkeln. Aber immerhin, sagt man sich. Macklemore mag Merkel und mehr.