Kultur

Ausgezeichnetes Berlin

Grimme-Preise gehen an „Weissensee“, das RBB-Format „Streetphilosophy“ und n-tv Journalist Constantin Schreiber

Die in Berlin und Umgebung gedrehten Fernsehserien „Weissensee“ (MDR) und „Deutschland 83“ (RTL) gehören zu den Siegern bei den Grimme-Preisen 2016. Zudem erhielt die vom RBB und von Arte produzierte Sendereihe „Streetphilosophy“ den zum ersten Mal vergebenen Innovationspreis in der Unterhaltung. „Weissensee“ erzählt die Geschichte einer Ost-Berliner Familie in der späten DDR und den Wendejahren. „Deutschland 83“ ist eine deutsch-deutsche Spionageserie aus der Zeit des Kalten Krieges. Bei „Streetphilosophy“ werden philosophische Ansätze auf ihre Alltagstauglichkeit im Gespräch mit jungen Berlinern getestet. „In einer halben Stunde großen Philosophen oder großen Fragen nachzuforschen – das ist ungewöhnlich“, befand die Jury.

Der undotierte Grimme-Preis, der in diesem Jahr zum 52. Mal vergeben wird, gilt als wichtigster deutscher Fernsehpreis. Die Auszeichnung würdigt Fernsehsendungen, die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind. Die Preisverleihung findet am 8. April in Marl statt.

Auch ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wird für das Aufspießen der Stinkefinger-Affäre um den griechischen Ex-Finanzminister Gianis Varoufakis mit dem Grimme-Preis geehrt. Böhmermann erhält zusammen mit Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann für den Beitrag „Hashtag Varoufake“ im „Neo Magazin Royale“ (ZDFneo) einen Spezialpreis.

Nachdem im vergangenen Jahr alle Auszeichnungen an öffentlich-rechtliche Sender gingen, werden nun vier von 14 Trophäen des wichtigsten deutschen Fernsehpreises an Private verliehen. Böhmermann hatte sich Zweifel an der Authentizität eines in der ARD-Talkshow von Günther Jauch gezeigten Varoufakis-Videos zunutze gemacht und im März vergangenen Jahres in der Sendung „Neo Magazin Royale“ erläutert, wie er das Video mit seinem Team so manipuliert habe, dass es aussehe, als würde Varoufakis den Mittelfinger zeigen. Tatsächlich sei diese Geste aber nachträglich in die Aufnahmen eingefügt worden. Erst tags darauf kam die Klarstellung vom ZDF, dass es sich bei der vermeintlichen Videomanipulation von Böhmermann um eine Satire gehandelt habe.

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach hob bei Auszeichnungen für Privatsender die Sendereihe „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ für Flüchtlinge hervor, mit der der Fernsehsender n-tv „großes gesellschaftliches Engagement“ bewiesen habe. Den Preis erhält der Berliner Journalist Constantin Schreiber in der Kategorie „Information & Kultur/Spezial“. „Für die Migranten, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, war ,Marhaba TV‘ eine perfekte Hilfestellung – und das auch noch auf kurzweilige Art und Weise“, so die Begründung der Jury. Constantin Schreiber wird über sein neues Buch „Marhaba“ am heutigen Donnerstag mit der Politikerin Sarah Wagenknecht diskutieren und zwar in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen „Comfort-Hotel Weißensee“ in der Rennbahnstraße 87.

Über die Auszeichnung bei dem Fernsehpreis freuen können sich auch die KiKa-Mitmachsendung „Ene Mene Bu“ und der Mehrteiler „Club der Roten Bänder“ (Vox) über krebskranke Jugendliche im Krankenhaus. Sie sind die ersten Grimme-Preisträger in der neuen Kategorie Kinder und Jugend.

Die Auszeichnung sei „achtsam entstaubt“ und „ins digitale Zeitalter“ geführt worden, sagte Grimme-Direktorin Gerlach. So wurden erstmals auch Produktionen berücksichtigt, die über neue technische Verbreitungswege wie Mediatheken, Streamingdienste oder Video-on-Demand veröffentlicht wurden.

Neu sind in diesem Jahr auch die Rubriken „Innovation“ und „Besondere journalistische Leistung“. Hier wurde der Beitrag „Tödliche Exporte“ (SWR/BR) ausgezeichnet. Die Jury lobte die „außergewöhnliche investigative Recherche“ zum Thema illegaler Waffenhandel. Gefehlt hätten in diesem Jahr jedoch preiswürdige Beiträge zu den Themen Krieg und Rechtsextremismus, bedauerte der Jury-Vorsitzende Fritz Wolf.