Kultur

Hauptsache es glänzt

Licht ist das Element des ZERO-Mitbegründers Heinz Mack. Heute wird der Künstler 85 Jahre alt

Als Heinz Mack und Otto Piene 1957 in einem Ruinenatelier in Düsseldorf ihre erste Abendausstellung eröffneten, kamen 20 Besucher. Knapp 60 Jahre später sehen in New York, Berlin, Amsterdam und Istanbul über 700.000 Menschen in einer Wanderausstellung die futuristische ZERO-Kunst. Der Ruhm für ZERO kam spät, aber gewaltig. Heinz Mack, Mitbegründer dieser puristischen Kunstbewegung, wird heute 85 Jahre alt – und er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Kaum ein Künstler hatte in letzter Zeit so viele Ausstellungen in renommierten Museen wie Mack.

Licht ist der Werkstoff für Macks kühne Projektionen und Bilderträume. Seit Jahrzehnten verfolgt der in Mönchengladbach auf dem malerischen denkmalgeschützten Huppertzhof lebende Künstler unbeirrt seinen Weg, das Licht in seinen Kunstwerken zu nutzen. „Ich möchte 100 Jahre alt werden, so dass ich noch die Gelegenheit habe, ein paar sehr wichtige Arbeiten zu realisieren“, sagt der agile Künstler mit den weißgrauen Haaren, die markant im Scheitel über seinem Kopf liegen. „Wenn ich ins Atelier komme, vergesse ich vollkommen, wie alt ich bin.“

Glitzernde Stelen, Lichtrotoren und Metallreliefs machten Mack bekannt. Zusammen mit Piene, der 2014 starb, und später Günther Uecker, bildete er das ZERO-Trio – eine avantgardistische Künstler-Clique, die mit Feuer, Luft, Aluminium, Plexiglas und Metall experimentierte. Macks monochrome Reliefs und Raster sind heute Klassiker der Moderne.

Mack liebt auch das Monumentale. Er schuf große Skulpturen für Parks, Straßen und Plätze von München bis Berlin, wo seine 35 m hohe Lichtskulptur 1987 vor dem Europa-Center an der Tauentzienstraße aufgestellt wurde. Spektakulär ist seine jüngste Installation. Neun jeweils sieben Meter hohe Pfeiler bedeckte er mit 850.000 goldenen Mosaiksteinen. Das tempelartige Kunstwerk wurde in Venedig und dann in Istanbul präsentiert.

Der 1931 im hessischen Lollar geborene Mack studierte 1950 bis 1953 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Ewald Mataré – gleichzeitig mit Joseph Beuys, der einen völlig anderen Weg einschlagen sollte. Zugleich war Mack auch an der Universität in Köln für Philosophie eingeschrieben. Als Lehrer und Kunsterzieher musste er seine Familie und zwei Töchter ernähren. „Morgens habe ich unterrichtet, nachmittags geschlafen und nachts habe ich durchgearbeitet“, sagt er.

Anders als Beuys, der mit den Materialien Filz und Fett geerdet blieb, liebten die ZERO-Künstler das Technisch-Utopische. Als in den 60er-Jahren die bemannte Raumfahrt startete, erforschte Mack in Sahara-Expeditionen und später in der Arktis die Kraft des Sonnenlichts. Berühmt ist das Wüsten-Foto des Künstlers im silberglänzenden Lurex-Anzug.

Der mehrfache Documenta- und Biennale-Teilnehmer braucht heute die Hilfe von mehreren Kunsthistorikerinnen, seiner Frau und seiner Tochter, um die zahlreichen Ausstellungsanfragen zu bewältigen. In großen Hallen lagert seine Kunst. Macks Refugium aber ist sein Haus auf Ibiza, für ihn die „Insel des Lichts“. Dorthin will er sich auch an seinem Geburtstag zurückziehen.