Kultur

Don Winslows heiße Spur führt nach „Germany“

Als Autor hat Don Winslow wenig übrig für Figuren, die zu lange fackeln. Wer das in seinen Geschichten tut, hat kaum eine Chance, deren Ende zu erleben. Wer schneller schießt, gewinnt, das ist die alte Wildwestregel, die sich quer durch Winslows Werke zieht. Umso erstaunlicher, wie verschieden die trotzdem sind. Der US-Amerikaner hat mit „Tage der Toten“, „Zeit des Zorns“ oder erst kürzlich mit „Das Kartell“ vielgelobte Geschichten über den Drogenkrieg in Mexiko und Kalifornien geschrieben – dazwischen aber auch mehr als nur einen Schema-F-Thriller. Sein neuer Roman „Germany“ ist jetzt erschienen und gehört zweifellos in die zweite Kategorie.

Winslow schickt Frank Decker zum zweiten Mal ins Rennen, einen Ex-Soldaten und Ex-Polizisten, der als privater Ermittler nach Vermissten sucht. Im ersten Fall, „Missing. New York“, war es ein verschwundenes Kind, nun ist es die verschwundene Frau eines alten Freundes. Die Spur führt nach Deutschland. Wäre „Germany“ ein Film, er wäre ohne Umweg übers Kino direkt in den Videotheken gelandet. Decker prügelt, schießt und sprengt sich von einem Hinweis zum nächsten, bis der Fall gelöst ist. Kein Problem auf dem Weg dahin ist so groß, dass es nicht mit der passenden Waffe aus der Welt geschafft werden könnte. Leichen pflastern Deckers Weg, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen hätte oder die Hauptfigur gar dazu bringen würde, ihr Handeln zu hinterfragen. Dazu kommen Wendungen, die so absurd sind, dass es wehtut. Aber: Winslows Stakkato-Stil ist im wahrsten Sinne atemberaubend.