Mercedes-Benz-Arena

Sarah Connor in Berlin: Kein Glitzerregen, aber "geile Musik“

Nach fünf Jahren Pause stand Sarah Connor in Berlin erstmals wieder auf der Bühne. Sie singt auf Deutsch und mit neuer Gefühligkeit.

Hat sich auf Deutsch neu erfunden: Sarah Connor bei einem Konzert im September in Hamburg

Hat sich auf Deutsch neu erfunden: Sarah Connor bei einem Konzert im September in Hamburg

Foto: Christian Charisius / dpa

Wie bei so einigen Comebacks, die PR-Agenten mit einem „neuem Sound“ anpreisen, hätte das auch schief gehen können. So ein „neuer Sound“ hätte unauthentisch und verstellt wirken können – wie ein verzweifelter Versuch, nochmal ein paar CDs zu verkaufen. Doch ihr steht er gut, dieser neue Sound: Nach fünf Jahren Pause von der Bühne kommt Sarah Connor mit einer Gefühligkeit zurück, die man von ihr nicht gewohnt ist und die deswegen so Spaß macht. In der ausverkauften Mercedes-Benz Arena hat sie am Dienstag Abend Stücke ihres aktuellen Albums „Muttersprache“ gesungen: erstmals auf Deutsch.

„Heute gibt es keinen Glitzerregen und keine zwanzig verschiedenen Outfits, aber geile Musik!“, schreit sie ins Mikrophon. Dafür funkeln ihre Glitzerstiefletten im Scheinwerferlicht, wenn sie mit geschlossenen Augen tanzt. Das macht sie viel an diesem Abend. Dann breitet sie die Arme in ihrer schwarzen Fransenlederjacke weit aus, dass ihr flattrige Flügel unter den Armen wachsen. Dann wirft sie den Kopf mit dem schwarzen Borsalino-Hut zurück und lauscht ihren eigenen Liedern. Man bekommt den Eindruck, sie spielt sie an diesem Abend auch ein bisschen für sich selbst.

"Ich schaff’s auch allein, denn ich bin stark“

Wie das Lied „Anorak“ von ihrem aktuellen Album. Da streift sie eine alte Liebe ab wie einen zu großen Anorak, und als sie das singt - „Ich fang von vorne an. Hör auf zu heuln. Ich schaff’s auch allein, denn ich bin stark“ -, wischt sie sich die feuchten Augen mit dem Handrücken ab. Vielleicht hat sie ihre neue, deutsche Musik auch da herausgeschält aus diesem alten Anorak. Wer hätte das schon gedacht, dass sie jetzt deutsche Liebeslieder singt, fragt sie das Publikum. Doch wer hätte schon gedacht, dass sich das so anhört, als sei es nie anders gewesen.

Schlüsselmoment, nach vierzehn Jahren englischem Pop Deutsch zu singen, war die Gregor Meyle Nummer „Keiner ist wie du“, die sie vor zwei Jahren in der TV-Show „Sing meinen Song“ gesungen hat. Da habe sie beim Deutschsingen zum ersten Mal etwas empfunden, sagte sie mal in einem Interview. Sarah Connor singt den Song auch an diesem Abend, die Zuschauer singen auswendig mit. Man merkt ihr an, dass sie mit deutschem Text jetzt mehr anfangen kann. Wenn sie von „der Suche nach der großen Freiheit, nach Liebe, Schmerz und Wahrheit“ mit immer höher werdender Stimme singt wie in ihrem Lied „Bedingungslos“, dann hört man auch, wer ihr beim Deutschtexten geholfen hat. Der Kolorit Peter Plates und Ulf Sommers von Rosenstolz schwingt mit.

Kinder, Familie und Freunde sind gekommen

Immer wieder winkt sie ins Publikum, unterbricht einen Song – „Heiko, du bist ja auch da!“ -, um jemanden zu grüßen. Ihre Kinder, Familie und Freunde sind gekommen, um die Wahlberlinerin hier auftreten zu sehen – wie sie ziemlich autobiographisch vom Erwachsenwerden mit durchgedrücktem Gaspedal, von zerbröckelten Beziehungen und vom Älterwerden singt, während die Zuschauer selig mit den Smartphones schwänken.

Ihre Musik ist reifer geworden, die hat nichts mehr von dem teeniehaften „Let´s get back to bed - boy“ oder „French Kissing“ von 2001. Es gibt Gitarrensoli und Bass, mehr Schlagzeug und drängende Percussions als zuvor. Diese Songs, die ihre Popularität Anfang der Nuller Jahre begründen, hat sie hinter sich gelassen. Wenn sie die Stücke dann doch singt – wie an diesem Abend -, dann anders.

Auf der kleinen Zeitreise zu ihrem 20-jährigen Ich, das jede Menge Demobänder verschickt und auf den großen Durchbruch hofft, streift sie schnell eine rote College-Jacke über. Wie einen Greatest Hits-Medley, den man auf einer Nostalgie-Party spielt und dann tanzt, während man an früher denkt, spielt sie mit der Band ihre ersten Hits. „Bounce“ von 2003 ganz schnell und hip-hopig, „From Zero to hero“, als sie ihre kurzen Haare noch zu Stacheln gegelt trug, ziemlich funkig. Sie covert da ihre eigenen Lieder, hievt sie raus aus dem erstarrten Sound ihrer Entstehungszeit. Nur der Ballade „From Sarah with love“, die ihr erstes Album in die Charts zog, bleibt sie treu. Die ist mit ihr erwachsen geworden.