Kultur

Neue Konzertreihe stellt Berliner Komponisten vor

Eine neue Konzertreihe für in Berlin wirkende Komponisten ist keine verkehrte Idee. Die Stadt ist bekanntlich Wahlheimat einer wachsenden Zahl an Komponisten aus der ganzen Welt. Das erste Konzert von „Neue Meister Berlin“ zeigt aber leider ein ungenaues Bild der Szene. Die vom Label Berlin Classics und dem Deutschen Kammerorchester Berlin ins Leben gerufene Vorstellung findet im „Drive“ Unter den Linden statt, einem für VW-Autos gedachten Ausstellungsraum. Das Publikum ist im Durchschnitt jünger als bei einem üblichen klassischen Konzert. Die Atmosphäre ist lockerer. Aber die glänzend weiße Wände sind etwas steril, eine kommerzielle Ästhetik, welche aber dem Programm entspricht. „Neue Meister“ ist auch der Name eines von Berlin Classics in Januar eingeführten Sublabels. „Drive“ ist die kleine Schwester der „Yellow Lounge“ von der Deutschen Grammophon. Beiden geht es um den Verkauf von CDs.

Die zum Auftakt ausgewählten Stücke bevorzugen den Minimalismus, einen vor allem in den USA weitverbreitenden Stil, der sich über Wiederholungsmuster aufbaut. Dazu kommt die Live-Elektronik, welche die Atmosphäre von Clubs einzufangen versucht. „Echoes and Drones“ von Johannes Motschmann ist durch den Einsatz von erfinderischen Texturen im Kammerorchester eine Ausnahme. Das vom Komponisten selber gespielte elektronische Klavier glitzert zu Beginn zusammen mit dem Marimbaphon, erzeugt dann einige emotionale Spannung über tremolierenden Streichern.

Da während des Konzerts die Beleuchtung nicht verändert wird, kommt man aber nicht so recht in die Stimmung. Die Video-Projektion über der Bühne bleibt durchweg fast gleich: schwebenden Wolken im blauen Himmel. Für Fabian Russ’ „Inside Partita“ wird der Saal etwas dunkler. Schnipsel aus Bachs Geigenpartiten werden von klirrender, schwirrender Elektronik umrahmt. Die Solistin Midori Seiler kommt barfuß den Gang entlang.

Ein angelsächsisches Lied wird zersplittert und zerstückelt

Eine überzeugende Dramaturgie innerhalb der Musik ist dabei kaum zu erkennen. Der Einsatz von Live-Elektronik in Russ’ „Black is the Colour“ (Sopran: Lydia Brotherton) ist ebenfalls holprig, im Stück wird ein angelsächsisches Lied zersplittert und zerstückelt. „Metal Zone“ von Paul Frick bildet durch rein instrumentale Klänge elektronische Muster ab, dann bleibt beispielsweise die Musik stecken wie bei einer zerkratzten CD. Trotz kleiner Variationen des Hauptmotivs lassen die tuckernden Texturen im Kammerorchester eher an ein Auto denken.

In „Walk Music 6“ des Musikproduzenten und Komponisten Henrik Schwarz werden ostinate Figuren grob durch die Instrumentengruppen geworfen. Sein „Unknown Touch“ wagt mehr Vielfältigkeit, endet aber auf einen wiederholten Ton in den Bläsern, Perkussion und gezupften Streichern. Federico Albaneses „Shadowland“ lebt von angenehm meditativen Klaviergesten, hält die Aufmerksamkeit aber nicht lange. Zu Beginn wird „Frühling“ aus Vivaldis „Four Seasons“ in Max Richters elektronisch verstärkter Bearbeitung aufgeführt. Die zwitschernde Geigenpartie des Solisten Gabriel Adorjàn leidet an tiefer Intonation. Das Publikum zeigt sich trotzdem von der Interpretation überzeugt.