Kultur

Wie Pussy Riot gegen Kreml-Chef Putin kämpft

Seit gut zwei Jahren ist die Aktionskünstlerin Nadja Tolokonnikowa von der Moskauer Punkband Pussy Riot wieder in Freiheit – und kämpft weiter gegen das System von Kremlchef Wladimir Putin. Vor allem aber versteht sich die 26-Jährige heute als Menschenrechtsaktivistin, die sich für den inhaftierten russischen Aktionskünstler Pjotr Pawlenski und andere Gefangene einsetzt. Ihre eigenen schmerzhaften Erfahrungen im Straflager schildert sie nun in einem Buch.

„Anleitung für eine Revolution“ heißt der tagebuchartige Bericht, der nicht nur die Geschichte der Frauen-Punkband Pussy Riot erzählt, die 2012 weltweit Schlagzeilen machte. Ein Moskauer Gericht verurteilte die überzeugte Feministin Tolokonnikowa und ihre Mitstreiterin Maria Aljochina damals zu zwei Jahren Straflager – nach einem Punkprotest in einer Kirche. Groß war das Entsetzen nicht nur in Moskauer Künstlerkreisen über das scharfe Urteil, auch die internationale Politik kritisierte das Vorgehen als Willkürjustiz. Nüchtern und in eindringlichen Bildern erzählt Tolokonnikowa, die junge Mutter, nun von Folter und Ausbeutung in Russlands Justizsystem. Sie selbst erlebte als Näherin im Lager Arbeitstage von 7.30 Uhr bis 0.30 Uhr. Schlafmangel, schlechtes Essen, kalte Zellen sollen die Gefangenen brechen. Sie notiert dazu: „Hunderte HIV-Kranke arbeiteten 16 Stunden am Tag und richteten die Reste ihres Immunsystems damit zugrunde. Zum Sterben brachte man sie ins Lagerkrankenhaus – damit sie mit ihren Leichen nicht die Koloniestatistik verdarben.“