Klassik-Kritik

Francois Couperin und die Lust mitzutanzen

Harfenist Xavier de Maistre beim „Festival Frankreich“

Der Deutsch-Französischen Freundschaft ist dieser Tage das "Festival Frankreich" im Konzerthaus gewidmet. Blaues, weißes und rotes Licht, die Farben der Trikolore, strahlt durch die Fenster des Schauspielhauses nach draußen auf den Gendarmenmarkt. Drinnen tragen die Platzanweiser Baskenmützen. Zu Gast an diesem fünften Abend des Festivals ist das Ensemble Les Siècles und Harfenist Xavier de Maistre. Der französische Virtuose spielt an diesem Abend zwei Werke des 20. Jahrhunderts.

Auch wenn Debussys "Danse sacrée et danse profane" für Harfe und Streicher nicht zu seiner besten Musik gehört, steigern De Maistres zarte Arpeggios die breit gesetzten Harmonien in schillernden Tönen. Gerade auch der "Profane Tanz" gewinnt durch iberische Rhythmen deutlich an Farbenreichtum. Die Streicher klingen unter dem jungen britischen Dirigenten Nicholas Collon sinnlich, das Spiel von De Maistre ist luxuriös: Perlenartige Läufe sind zu erleben, und alles in einem meisterhaft elastischen Tempo.

Im Konzertstück für Harfe und Orchester des eher unbekannten Komponisten Gabriel Pierné, der der Nachfolger von César Franck an der Orgel im Pariser St. Clotilde Basilica war, fallen Klangkaskaden der Harfe über ein satt instrumentiertes Orchester. Das Werk übernimmt die traditionelle Struktur eines Solokonzerts, in dem eine Art Frage-und-Antwort-Spiel zwischen dem Solisten und dem Orchester entsteht. Die Harfe wirkt zusammen mit den Holzbläsern bezaubernd, wohingegen die Streicher eher an einen prächtigen Orgelklang erinnern. Auch wenn sich die Musik zu übersättigen droht, Piernés spätromantische Linien wirken zum Teil filmisch ergreifend. Der dynamische Umfang von De Maistre und seine makellose Technik sind bewundernswert.

Die erste Hälfte des rein französischen Programms beginnt in der Barockzeit. Das 2003 gegründete Ensemble Les Siècles möchte Maßstäbe setzen, indem es sowohl historische als auch moderne Instrumente verwendet und neue Konzertformate ausprobiert. Der Suite aus Rameaus Oper "Daphnis et Eglé", verleihen die Musiker viel Schwung. Aber es fehlen einige Nuancen. Dazu gehören etwa die Verzierungen der Holzbläser im "Gavotte"-Tanz.

Bei Couperins Concert royaux Nr.4 für Flöte, Violine, Oboe und Continuo wird das Spiel straffer. Gerade im "Courante à l'italienne" bekommt man Lust mitzutanzen, die Barockflöte könnte nicht zarter und sinnlicher klingen. Aber die Musiker sind in Ravels "Le tombeau de Couperin" mehr zu Hause. Die Pastellfarben wirbeln herum in diesem Werk, das die französische Tradition gleichzeitig feiert und betrauert. Die mehrdeutigen Harmonien und melodischen Verzerrungen im "Forlane" bilden die Erfahrungen des Komponisten im Ersten Weltkrieg ab. Das Schlusswerk "Ma mère l'oye" wird zu einem Fest für alle Sinne.

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