Worauf wir gern

Geht’s noch? Fotografen sind das Allerletzte

Gebrüll, Fluchen, lautstarke Fäkalsprache – der Kontrast zu den in eleganter Abendgarderobe gekleideten Stars könnte nicht größer sein. Bei der Premiere von „Das Tagebuch der Anne Frank“ im Haus der Kulturen der Welt stehen Fotografen und Fernsehteams bereits über eine Stunde vor Filmbeginn am roten Teppich. Wer zu spät kommt, muss in zweiter oder dritter Reihe stehen, kann keine guten Bilder machen. Der Druck ist groß, der Platz eng, die Stimmung angespannt. Kurz nach halb acht erscheinen die Hauptdarsteller Martina Gedeck und Ulrich Noethen. Die Fotografen beginnen mit ihrem Rufen, bedrängen sich gegenseitig, Ellenbogen werden eingesetzt. Sie wollen wie immer lautstark die Promis in die für ihre Kamera beste Position dirigieren. Als die Schauspieler, allen voran die freudig aufgeregten Mädchen Lea van Acken und Stella Kunkat, auf dem roten Teppich weiterziehen, um Interviews zu geben, beginnt das Geschrei: „Was soll die Scheiße?“, „Wollt ihr uns verarschen?“ und „Ey, geht’s noch?“ Unangenehm berührt schauen sich die Umstehenden an. Die Schauspieler versuchen weiter professionell zu lächeln. Und die Fotografen? Warten auf die nächsten.