Kultur

Salah aus Syrien und sein erster Job in der neuen Welt

Salah ist überzeugt, den besten Job der Welt zu haben. Die neuesten Filme, von morgens bis abends, und er darf sie alle sehen. Filme sind sein Medium, sein Tor zur Welt. Ohne sie wäre ein Gespräch mit ihm gar nicht möglich. Ohne Filme hätte Salah niemals Englisch gelernt. Und dafür ist er ihnen dankbar.

Salah ist so damit beschäftigt, über Filme zu sprechen, dass er, ohne es zu merken, ins Museum für Film und Fernsehen gelaufen ist. Falsche Adresse. Salah arbeitet gegenüber, Cinemaxx, Kino 7. Der 18-jährige Syrer ist einer von 18 Flüchtlingen, die auf der Berlinale ein Praktikum absolvieren dürfen. Manche werden in der Pressestelle eingesetzt, andere verteilen Werbeartikel und einige wie Salah arbeiten direkt in den Kinos. Dort ist er mehr als der Ticket-Abreißer. Er kümmert sich um die Beleuchtung im Saal oder kündigt die Regisseure an, wenn diese sich nach der Vorstellung im Tête-à-Tête den Fragen des Publikums stellen.

Aber das Beste sind die Filme. Salahs bisheriger Favorit ist „Hail, Caesar!“ mit George Clooney, er mag Komödien. Romantik und Action mag er noch mehr, am besten als Kombination – sein Lieblingsfilm heißt „Titanic“. Hauptsache aus den USA, für die syrische Unterhaltungsindustrie hat er nicht so viel übrig. Vier Filme hat Salah auf der Berlinale schon gesehen, in den kommenden Tagen sollen noch einige dazukommen.

Doch es geht um mehr als eine schöne Zeit vor der Leinwand. Für Salah ist das Festival auch eine Möglichkeit, die Deutschen besser kennenzulernen. Salah sucht eine „Fusion“ mit der deutschen Gesellschaft, wie er es nennt, er will verstehen, wie seine neuen Landsleute ticken, „wie sie denken, arbeiten und sich gegenseitig behandeln“. Und er will sein Deutsch verbessern.

Vor einem halben Jahr machte sich Salah in Damaskus auf den Weg nach Berlin. Als damals Minderjähriger wurde er in eine spezielle Einrichtung geschickt. Dann kam die Volljährigkeit – und der Schock. „Auf einmal musste ich zum Lageso“, sagt er, es waren zwei schlimme Wochen. Jetzt ist er registriert, wartet aber noch auf seine Anerkennung als Asylberechtigter. Erst wenn die kommt, kann er entspannen.

Salah, der inzwischen bei einer deutsch-amerikanischen Familie in Neukölln lebt, will studieren, Zahnarzt werden, Deutschland etwas zurückgeben. Deutsche Filme kennet er noch nicht. Aber er hat sich vorgenommen, kommenden Sonntag mal in den „Tatort“ reinzuschauen.