Berlin-Konzert

Himmel und Hölle mit Christina Stürmer im Huxleys

Im ausverkauften Huxleys singt Christina Stürmer von Harmonie und Liebe. Und das Berliner Publikum liebt sie dafür.

Christina Stürmer wurde bei einer Castingshow entdeckt

Christina Stürmer wurde bei einer Castingshow entdeckt

Foto: dpa

Christina Stürmer ist ein Star aus der Retorte. Die Sendung Starmania , bei der sie entdeckt wurde, ist seit Jahren eingestellt. Casting ist, sagt Stürmer heute, überhaupt nie ihr Ding gewesen. Auch in die DSDS-Jury wolle sie nicht, weil sie nicht mag, wie man da vorgeführt wird.

Bei „Sing meinen Song“, einer TV-Show unter der Leitung von Ex-Eurovisionskandidat Xavier Naidoo, hat Stürmer im letzten Jahr aber doch mitgemacht. Weil es hier schließlich um Musik und nicht um den Vorführeffekt gehe. Vor allem geht es aber um Werbung. Die Show hat für Stürmer gut funktioniert, das Huxleys ist ausverkauft.


Auf der Bühne sieht man die Silhouette eines weißen Herzens auf schwarzem Grund, das Herz ist gleichzeitig auch ein Kopfhörer. An den roten Lichtern kann man erkennen, dass die Show demnächst anfangen muss. Zuerst läuft die Band ein, vier Jungs positionieren sich und spielen ein Intro, zu dem Christina Stürmer einläuft.


Früher galt Stürmer als die Avril Lavine der Alpenrepublik, ein Girlie, das zwar nicht Skateboardfahren kann, es aber gerne würde und lieber Sneakers statt High-Heels trägt. Handfest, kernig, Sporty ohne Spice, dafür mit Bodenhaftung.

Einfach nur Christina Stürmer

Mittlerweile ist es kein Kompliment mehr, mit Avril Lavine verglichen zu werden und Christina Stürmer ist jetzt einfach Christina Stürmer. Eine, die schon alles erlebt hat – will heißen die Höhen und Tiefen des Showbusiness. Eine, die immer wieder aufgestanden ist um jetzt ganz sie selbst zu sein.

Passenderweise heißt ihr letztes Album aus dem Jahr 2013 „Hör auf dein Herz“. Im Huxleys treten Sängerin und Band mit einem Best Of an. Warum auch nicht, Stürmer hat inzwischen neun goldene Schallplatten und achtzehnmal Platin bekommen, ist seit zehn Jahren im Musikgeschäft. „Gestern. Heute“ lautet der nüchterne Titel ihrer Rückschau. Und schon bei den ersten Zeilen offenbart sich Stürmers Lebenserfahrungspop. „Das Leben ist der Himmel, das Leben ist die Hölle“. Diese Zeilen werden brav mitgesungen, die älteren Damen und Herren wiegen sich zum Takt, die Jüngeren hüpfen und recken die Fäuste gen Bühne. Live sind die Songs nämlich etwas rockiger als auf den Platten.


Stümers Lieder heißen „Scherbenmeer“, „Engel fliegen einsam“ und „Nie genug“. Sie erzählen leichte Geschichten von Herzschmerz, von Sehnsucht und Lebensfreude. Schreiben tut Stürmer ihre Songs nicht selbst. Sie kann zwar Saxophon und Flöte spielen, aber davon bekommt das Publikum heute nichts zu sehen. Das passt Stümers Songschreibern wohl nicht ins Konzept.

Metaphern werden in ihren Songs nur sparsam verwendet. Es gibt im Leben schwarz und weiß und dazwischen Liebe, Sehnsucht und das Meer, was vielleicht auch für Unendlichkeit steht. Bald wird ein neues Album kommen, nach der Tour geht es ins Studio, ein paar neue Stücke spielt Stürmer schon.

Dank ans Publikum

„Das Größte, was wir können, ist Mensch zu sein“ singt sie im neuesten Song „Seite an Seite“ und im Publikum nickt man verklärt. Stürmer ist „wahnsinnig happy“ jetzt für so viel Publikum singen zu dürfen. Sie bedankt sich dafür, dass die Halle ausverkauft ist, sagt brav, wie sehr es ihrer Band im Huxleys gefällt. Ihre Karriere ist skandalfrei und sauber.


Nur einmal ist eine Interpretation Stürmers zum Politikum geworden. 2010 sang sie eine neue Version der Österreichischen Nationalhymne ein. Anstelle des ursprünglichen Textes „Heimat bist du großer Söhne“ hatten man – nach offizieller Absprache – den Text zu „Heimat bist du großer Söhne und Töchter“ geändert. Nicht cool, fanden das stolze Volkstümler von Graz bis Tirol.

Eine eingereichte Klage gegen die gegenderte Hymne wurde jedoch vom Gericht abgelehnt. Stümers Version darf weiterhin gespielt werden, nur Andreas Gabalier, der selbsternannte Volks-Rock’n’Roller, weigert sich bis heute den neuen Text mit zu singen.

Das Publikum braucht sich nicht darum zu kümmern, die Hymne steht nicht auf der Setlist. Das einzig heikle Thema, das Stürmer heute anschneidet, ist die Urheberechtsverletzung. „In Südafrika (bei „Sing meinen Song“) habe sie die Prinzen kennenlernen dürfen, berichtet sie. Das Publikum ist schon vor dem Einsatz von Schlagzeuger Klaus Pérez-Salado eingenordet. „Eeeohh“ grölt es in der Halle. Für „Alles nur geklaut“ bekommt Stürmer den dicksten Applaus.