Panorama

Hexenjagd an einer US-Universität

Ex-Jury-Präsident und Produzent James Schamus führt erstmals selbst Regie: „Indignation“

Vor zwei Jahren war James Schamus Präsident der Bären-Jury auf der Berlinale, damals noch als Produzent und Drehbuchautor unabhängiger Arthousefilme wie Ang Lees „Der Eissturm“ und „Sinn und Sinnlichkeit“, der 1996 den Goldenen Bären gewann. Nun hat sich der 56-jährige erstmals selbst auf den Regiestuhl gewagt und mit „Indignation“ („Empörung“) einen Bestseller von Philip Roth aus dem Jahr 2008 verfilmt. Es mag ein Herzensprojekt des New Yorkers gewesen sein, einen Gefallen hat er sich damit allerdings nicht getan.

Novelle und Film handeln von dem 19-jährigen Marcus (Logan Lerman aus den „Percy Jackson“-Filmen), Sohn eines koscheren Metzgers aus New Jersey, der wegen seiner exzellenten Noten an einer Universität in Ohio aufgenommen wird und sich damit auch der paranoiden Fürsorge seines Vaters entzieht. Dort ist er in den 50er-Jahren einer der sehr wenigen jüdischen Studenten und hat schnell mit der von McCarthy initiierten Kommunistenhatz zu kämpfen.

Als Marcus sein Zimmer wechselt, um mehr Ruhe zum Lernen zu haben, wird er vom Dekan vorgeladen. Im Disput entpuppt sich dessen angebliche Sorge um den Studenten als perfides Verhör, das nur auf eins abzielt: jedes nonkonforme Verhalten zu unterbinden. Marcus ist ihm intellektuell überlegen, muss aber befürchten, beim Verweis vom College für den Koreakrieg eingezogen zu werden.

Wie sehe ich die Welt? Bin ich Teil davon oder betrachte ich das Geschehen nur als Außenstehender? Das sind Fragen, die sich jeder Heranwachsende stellt, umso mehr ein jüdischer Junge an einer anglikanisch geprägten Universität im US-Amerika der Fünfziger. Ein interessantes Thema, doch das Problem des Films ist, dass der Drehbuchautor Schamus immer Oberhand behält über den späten Regiedebütanten Schamus. Die Geschichte ist sehr altmodisch und dialoglastig inszeniert, vieles wird mehrfach gesagt und gezeigt. Es fehlt das Gegengewicht eines Ang Lee, dem zur klug gebauten Handlung von Schamus’ Büchern die adäquaten Bilder einfallen.

Termine Cubix 9, Heute, 14 Uhr;
International, 20.2., 20 Uhr

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.