Kultur

Entschuldigung in perfektem Deutsch

Julianne Moore kommt leicht verschnupft zur Berlinale, erobert alle Herzen im Sturm – und stiehlt Greta Gerwig die Schau

Sie ist gerade Dauergast in Berlin. Erst vergangene Woche nahm Julianne Moore eine Goldene Kamera als beste Schauspielerin entgegen, am Montag hatte ihr neuer Film „Maggie’s Plan“ auf der Berlinale im Panorama Premiere, und am heutigen Dienstag gibt die Oscar-Preisträgerin Interviews für das Krebsdrama „Freeheld“, das dann im April startet. Vielleicht alles ein bisschen viel für die 55-jährige Schauspielerin. Oder der Wintereinbruch hat ihr zugesetzt. Deutlich verschnupft und mit heiserer Stimme, aber in perfektem Deutsch entschuldigt sie sich am Montagnachmittag erstmal: „Ich bin krank, es tut mir so leid.“ Sie lächelt tapfer. Ob sie den Satz noch aus ihrer Schulzeit kann, als sie ihren Abschluss in Frankfurt am Main machte, oder eigens einstudiert hat, das verrät sie nicht. Ist aber auch egal. So oder so hat sie damit gleich alle Herzen im Sturm erobert.

„Maggie’s Plan“ ist der neue Spielfilm von Rebecca Miller, Tochter des legendären Dramatikers Arthur Miller und Ehefrau von Daniel Day-Lewis. Julianne Moore freut sich, bei diesem Dreh mit einem von Frauen dominierten Team gearbeitet zu haben, das hätte für eine „tolle Atmosphäre“ gesorgt.

Dabei ist „Maggie’s Plan“ im Grunde gar nicht ihr Film, sondern der von Greta Gerwig, die seit „Frances Ha“, dem Publikumshit der Berlinale 2014, auf die New Yorker Stadtneurotikerin festgelegt ist und hier eine Frau spielt, die ohne Beziehungsstress Mutter werden will. Bei der Präsentation in Berlin aber ist eindeutig Julianne Moore der Star. Sie spielt hier die Ehefrau von Ethan Hawke, der sie für die von Gerwig gespielte Figur sitzen lässt, mitsamt der beiden Kinder.

Mit Hawke ist Moore seit Jahren gut befreundet, „unsere Kids gehen sogar auf dieselbe Schule“. Aber gemeinsam vor der Kamera haben sie davor noch nie gestanden. Für die neue Erfahrung hat sie nur ein Wort: „sexy“. Und schenkt uns dieses bezaubernde Julianne-Moore-Lachen. „Je länger ich Ethan kenne, desto mehr mag ich ihn.“ Der kann ihr Kompliment leider nicht hören – Hawke ist nicht mit nach Berlin gekommen.

Es geht, wie in einigen anderen Berlinale-Filmen dieses Jahr, um alternative Familienmodelle, um typisch amerikanische Selfmade-Biografien, bei denen nichts dem Schicksal überlassen wird. Damit kann sich auch Julianne Moore identifizieren. Als Kind fühlte sie sich mit ihren roten Haaren und Sommersprossen immer als Außenseiterin, heute macht sie mit ihren selbst geschriebenen Kinderbüchern anderen Mut, zu sich selbst zu stehen. Seit Jahren setzt sie sich zudem für Bürgerrechte ein und vertritt in Berlin auch bei der Frage zum Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare eine klare Position: „Ganz einfach: Jeder sollte das Recht zu seinem persönlichen Glück haben.“

Es ist das erste Mal, dass sie in einem Film die „andere“ Frau spielt, sagt sie, und findet es „cool“. Sie muss sich auch keine Sorgen machen. Die Leinwand vibriert in jeder Szene, in der sie zu sehen ist. Und der Film zeigt auch sehr hübsch, dass die Lebenswege nicht immer geradlinig verlaufen. Nach ein paar Jahren ist die Liebe zur Neuen verflogen und für das Moore-Hawke-Paar gibt es plötzlich eine neue Chance, nachts im verschneiten Wald.

Julianne Moore kann auch sonst ganz gelassen bleiben. Für ihre andere Rolle als an Krebs erkrankte Polizistin in „Freeheld“, die dafür kämpft, dass ihrer Lebensgefährtin nach ihrem Tod Witwenrente erhält, hätte sie jeden Filmpreis dieser Welt verdient. Außer einen Bären, denn dieser Film läuft nicht auf der Berlinale.