Berlinale Classics

Frisch restauriert: „Der müde Tod“

Fritz Langs Stummfilmklassiker wurde in neuem Glanz und mit neuer Musik aufgeführt

Der Film ist fast 95 Jahre alt, aber so wie am Freitagabend im Friedrichstadt-Palast war Fritz Langs Stummfilmklassiker „Der müde Tod“ noch nie zu sehen und hören. Zur Weltpremiere der aufwendig restaurierten Fassung wurde eigens eine neue Filmmusik in Auftrag gegeben, die vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel aufgeführt wurde.

Dabei galt eines der bedeutendsten Werke des Weimarer Kinos lange als verlorener Film, „ein Schatten seiner selbst“, denn jahrzehntelang war er nur als verstümmelte Schwarz-Weiß-Version zu sehen. Bei der Premiere am 6. Oktober 1921 in Berlin war er noch viragiert, also mit eingefärbten Bildern zu sehen. Die noch erhaltenen, in der Welt verstreuten Kopien aber waren allesamt farblose Derivate in meist schlechtem Zustand. Nach intensiven Recherchen und einjähriger Restaurierung erstrahlt der Film nun in monochromen Farben, die mit großer Wahrscheinlichkeit dem Original sehr nahe kommen. Erst jetzt, auf der großen Leinwand, entfalten die expressionistischen Lichteffekte ihre Wirkung. Die Kontraste zwischen Hell und Dunkel werden durch die Einfärbung noch verstärkt, viele der bei Tag gedrehten Nachtszenen etwa sind erst durch die nun eingesetzten Blau- oder Grüntöne als solche erkennbar.

Fritz Lang nannte sein Werk ein „Volkslied in sechs Versen“ und erzählt darin die Geschichte einer jungen Frau, die den Tod bittet, ihren verstorbenen Geliebten ins Leben zurückzuholen. Der Tod gibt ihr drei Chancen, die sie in verschiedenen Kapiteln nach Venedig, in den Orient und ins kaiserliche China führen. Irgendwo zwischen Märchen und Traum angelegt, mit fliegenden Teppichen und Menschen, die sich in Tiger verwandeln, geht es um die Liebe, die den Tod besiegt. Die musikalische Neuinterpretation von Komponist Cornelius Schwehr eröffnet dazu je Kapitel einen autonomen Resonanzraum mit Anleihen an Romantik, italienische Volkstanzmusik und spätmittelalterliche Polyphonie, die ihren ganz eigenen Sog entwickelt. Am Sonntagabend gibt es noch mal eine Chance, den Film zu sehen. Der beteiligte TV-Sender Arte strahlt die restaurierte Fassung um 23.55 Uhr aus.