Max-Schmeling-Halle

In Berlin ist Andreas Bourani für alle da

In Berlin feiert Andreas Bourani den fulminanten Abschluss seiner „Hey“-Tour. Zumindest unsere Kritikerin war nicht so begeistert.

Andreas Bourani bei dem Abschlusskonzert seiner "Hey"-Tour am 11. Februar 2016 in der Max-Schmeling-Halle

Andreas Bourani bei dem Abschlusskonzert seiner "Hey"-Tour am 11. Februar 2016 in der Max-Schmeling-Halle

Foto: imago/Martin Müller

Andreas Bourani steht auf einer Raute mitten in Berlin, in der Max-Schmeling-Halle, links und rechts neben ihm, überall, da sind Köpfe, und er hüpft auf einem Bein. Er ist glücklich. Seine „Hey“ -Tour, sie war ein Erfolg, und sie endet mit diesem Abend in Berlin.

Hey, das ist doch der Ort, wo alles angefangen hat. Im Lido damals und im Huxleys, und jetzt das: 9000 Menschen, die sich Tickets gekauft haben und sich Zeit genommen haben. Vielen lieben Dank, sagt er. Und dann, dann brüllt er in die Halle: "Eeeeeee ooooo". Und die Tausenden, die geben ihm sein Echo.

Also brüllt er wieder: "Oh Yeah!" Und das Publikum tut es ihm nach. Dann überlegt er sich was Neues: "Yippi, yippi yeah". Und wieder wiederholt das Publikum seinen Ruf. Er freut sich, macht: "Uuh Uuh". Und das Publikum, das macht das nach. Dann, er muss sich wohl denken, die denken, dass sie alles können, was ich auch kann, aber weit gefehlt.

Es ist Erbauungsmusik für die gesamte Familie

Er wirft ein „Yeah“ in den Raum, dessen Vokallaut er über gut 25 Sekunden zieht. Das Publikum, atemlos vor Begeisterung, versucht es ihm nachzutun. Aber scheitert. Bei aller Liebe, das können sie nicht, also geht es weiter mit Musik, die sie perfekt können - verstehen und auch nachempfinden.

Andreas Bourani singt Lieder, die mal Radio-Pop-Rock gewesen sein könnten, dann aber mit einer Schlagerseife so lange geputzt und gewaschen wurden, bis sie jede Ecke und Kante verloren hatten. Was bleibt sind sehr saubere Konsenslieder, die nicht anders können als an die Spitze der Charts zu glitschen.

Es ist Erbauungsmusik für die gesamte Familie. Er fragt: "Wer hat einen Freund?" Und singt dann ein Lied über Freundschaft. „Zusammen untergegangen“. Er fragt: "Wer war schon mal unglücklich verliebt?" Und singt dann ein Lied darüber, wie es sich anfühlt, unglücklich verliebt zu sein. „Delirium“. Bourani stellt Liedschalen in den Raum, sie sind so groß und so leer, jeder kann etwas von sich da rein tun.

"Wer ist heute mit seiner Oma da?"

Und deswegen fragt Bourani auf der Bühne auch: "Wer ist heute Abend mit einem Freund da?" Großer Applaus. "Wer ist heute Abend mit seinen Kindern da?" Wieder sehr großer Applaus. Und: "Wer ist heute mit seiner Oma da." Und wieder, wirklich, bricht die Halle in großen Applaus aus. Der Bourani, er bietet keine Angriffsfläche, keinen Charakter. Gekleidet ist er ganz in schwarz, so neutral, wie ein weißes Stück Papier.

Er ist der intermediate Interpret, der verblüffender-, ja fast schon schockierender Weise seine Lieder selbst schreibt. Er singt „Lass los, was dich festhält“ und „Hast du einen, der an dich glaubt?“ „Sei nicht so hart zu dir.“

„Es war toll. Ganz toll.“

Er wirkt wie jemand der Erbauungspostkarten ohne eine Funken Scham abschreibt. Oder, positiver formuliert, wie einer der seine Kunst gleich so konzipiert, dass sie auch mühelos der Jingle für die nächste Binden- oder die nächste Luftschokoladen-Werbung werden kann. „Mit dir fühl’ ich mich ultraleicht.“

Dazu spielt seine Band Keyboardmelodien die entfernt an Coldplay erinnern, während das Schlagzeug ein angenehm kraftvolles Nichts dazu herauftrommelt. Und Bourani, der liefert mit seiner schönen, seiner glatten Stimme noch ein paar Vokale dazu: Oohhhh. Eeeeeoooohh. Seinen Nummer-1-Hit mit Sido „Astronaut“, den gibt er auch. Er braucht Sido nicht dazu, er rappt dessen Part gleich mit, und hüpft auf einen Bein, während ein als Astronaut verkleideter Trommler um ihn herumtrommelt.

Das Konzert, das klingt wie ein wildes Zappen durch Vorabendserien-Vorspänne, Werbung, eine emotionale Soap-Szene, und noch mehr Werbung endet natürlich da, wo es enden muss. Beim Fußball. „Ein Hoch auf uns“ bringt die ganze Halle zum Hüpfen. Es ist das Finale, auf das das Publikum gewartet hat. Es singt das Lied aus voller Kehle, dann befindet es, sollte der Abspann eingeblendet werden.

Die Ersten der 9000 gehen in Scharen. Dass der Bourani dann aber noch ein Lied spielt, eines mit einer halben Kante Pop-Rock mehr, das interessiert sie nicht. „Es war toll. Ganz toll“, sagen sie draußen, während Bourani später tatsächlich noch eine Zugabe gibt.