Darauf können

Der Wettbewerb zieht die Schutzmaske auf

Die Amerikaner können einem immer ein bisschen leidtun auf der Berlinale. Wenn es kein adäquater Star-Film in den Wettbewerb schafft, heißt es, der Kosslick hat keinen Stand mehr in Hollywood. Wenn dann doch einer läuft und einen Preis erhält, gilt das wieder als Kotau vor Hollywood. Deshalb ist es eigentlich fast immer so, dass zwar ein großer Film aus den USA das erste Wochenende der Berlinale ziert, dass die Teilnehmer am Ende des Festivals aber meist leer ausgehen.

Dieses Mal trifft das wohl auf „Midnight Special“ zu, der heute Abend um 19 Uhr im Berlinale Palast seine Premiere feiert. Aber Bären hin oder her: Freuen kann man sich dennoch. Jeff Nichols Film ist ein eigenwilliger Mix aus Familiendrama und Science-Fiction. Ein achtjähriger Junge hat außergewöhnliche Fähigkeiten und muss deshalb eine Schutzbrille tragen. Religiöse Fanatiker interessieren sich für ihn, und bald sind auch Polizisten hinter ihm und seinem Vater her. Die Hauptrollen spielen Michael Shannon, Joel Edgerton und Kirsten Dunst – Punkte auf der Star-Ebene. Und Nichols lotet damit Gewalt- und Paranoiastrukturen der US-amerikanischen Provinz aus – Punkte auf der Politik-Ebene. Also Schutzbrille auf!