Worauf wir gut

Zwölf Stunden im Paralleluniversum

Die längsten Berlinale-Beiträge laufen fast immer im Forum. Da sitzen die Fundamental-Filmcracks mit der längsten Ausdauer und Hang zu sperrigen Themen. Für die beginnt die Sektion in diesem Jahr auch gleich mit einem besonderen Schmankerl: „Chamissos Schatten“. Der Film der Berliner Regisseurin Ulrike Ottinger ist nämlich ganze 709 Minuten lang, also fast zwölf Stunden. Zwölf Stunden, das ist schon ein Drittel Wettbewerb, ein Flug von Berlin nach Japan. Das Forum ist immerhin so gnädig, das Ganze nicht an einem Stück zu zeigen, sondern in drei Portionen am Freitag, Sonnabend und Sonntag.

Ulrike Ottinger folgt dabei einer 200 Jahre alten Erkundungsexpedition von Chamisso in den Norden der Welt – und stellt dessen Aufzeichnungen eigene Bild-Eindrücke dieser Route entgegen. Das ist, wie eigentlich immer bei Frau Ottinger, assoziativreich, mit herrlichen Details, aber auch einigen Längen. Sie kann sich einfach nicht von ihrem Material trennen. Das kann man gern mal beim Kinostart (ab 24. März) angucken, dann auf immerhin vier Portionen verteilt. Mitten auf einem Filmfestival aber verpasst man einfach zu viel anderes. So schön kann kein Film sein.