Kultur

Deichkind in Berlin: Kein Song ohne Spektakel

Mehr Aufwand kann man bei einem Konzert nicht erwarten

Pünktlich um halb neun baut sich das Schauorchester mit blinkenden Dreieckshüten vor den acht zentralen fahrbaren Bühnenelementen auf, sogenannten Omnipods, für die ihr Bühnenarchitekt Henning Besser aka „DJ Phono“ mittlerweile ein Patent besitzt. Deichkind sind vermutlich die professionellsten Partymacher Deutschlands und wie immer wird auch heute Abend in der Max-Schmeling-Halle zu jedem Song ein anderes Spektakel aufgeführt. Bei „Bück dich hoch“ vollführen die sieben Mitglieder der aktuellen Besetzung eine Choreografie auf Bürostühlen, bei „Porzellan & Elefanten“ gibt es Regenschirmballett, den Text von „Denken sie groß“ illustrieren Kopfbedeckungen die wie riesige aufgeblähte rosa Gehirne aussehen. „Ein bisschen Größenwahnsinn kann nicht schaden“ bringt der Text das Prinzip auf den Punkt.

Deichkind haben eine Nische gefunden und ausgebaut. Früher machten sie deutschen Hip-Hop für Abiturienten, heute haben sie sich irgendwo zwischen „Holiday on Ice“ und Stadion-Rave eingependelt. Man kann hervorragend die Sau rauslassen zum Laserkanonenfeuer, den harten Elektrobeats und den sloganhaften Texten, für die jede Werbeagentur töten würde („Leider Geil“, „Like Mich Am Arsch“.). Man kann sich die Show aber auch wie ein überkandideltes dadaistisches Musical ansehen, bei dem in die Jahre gekommene Rapper versuchen, jede noch so blöde Schnapsidee mit dem größtmöglichen technischen Aufwand in die Tat umzusetzen.

Die besonderen Showelemente des heutigen Abends: Ein Bad in der Menge im Strahlenanzug. Crowdsurfen im Schlauchboot. Rumkugeln in Ganzkörperballons. Rundreise im Riesenfass. Dazu in rauen Mengen: Lichter, Laser und Sirenen. Alles Dinge, die man natürlich kennt, wenn man Deichkind schon einmal live erlebt hat, was nicht schwer ist, da die Band seit Jahren von Festivals als Allzweckwaffe eingesetzt wird. Was aber gerade jetzt in dieser Jahreszeit auffällt, ist, wie viele karnevaleske Elemente die durchschnittliche Deichkind-Sause doch beinhaltet. Da werden Luftschlangen, Konfetti und Bonbons geworfen und sogar eine Polonaise in die wogende Masse unternommen, was in einer Mehrzweckhalle dieser Größe durchaus auch einen Hauch von Tristesse versprühen kann.

Die Formation beendet ihr Konzert mit den Sauf-und Abrisshymnen „Prost“, „Limit“ und „Remmidemmi“ – ein irres Finale. Ein Kinderpool schießt wie aus einem Vulkan Konfetti, während eine Hüpfburg mit Schlagseite alles zu verschlingen droht. Die Bühne dreht sich um die in der Mitte stehende Deichkind-Truppe, die sich wie ein Schauspielerensemble an den Händen vor der tobenden Menge verbeugt.