Kultur

2015 war ein Rekordjahr für die Filmregion

4700 Drehtage: Medienboard legt neueste Zahlen vor

Das Jahr, denkt man, hat 365 Tage. Nicht so aber für die Filmregion Berlin-Brandenburg. Hier wurden für das vergangene Jahr genau 4700 Drehtage absolviert, wie das Medienboard Berlin-Brandenburg nachgezählt hat. Ein neuer Rekord, der zeitweise zu „komplett ausgebuchten Studios und Filmcrews“ geführt habe. Ziemlich genau die Hälfte, nämlich 2351 Drehtage entfielen dabei auf vom Board geförderte Filme und Serien. Allen voran die fünfte Staffel der US-Serie „Homeland“, für die allein sechs Monate lang an der Spree und Umgebung gedreht wurde, aber auch Fatih Akins Bestseller-Verfilmung „Tschick“ oder die Helene-Hegemann-Adaption „Axolotl Blockbuster“. Zu den nicht von dem Board geförderten Filmen, die hier entstanden, zählen unter anderem der neue Marvel-Comic-Film „Captain American 3“, der fünfte „Bourne“-Film mit Matt Damon und Serien wie „Berlin Station“ oder „Die Stadt und die Macht“.

Nicht mehr nur gefühlt der Filmstandort Nummer Eins

Das Medienboard spricht denn auch von einem „bombastischen Jahr“. Gefühlt hätte sie schon immer gesagt, dass Berlin-Brandenburg der Filmstandort Nr. Eins ist, so Board-Chefin Kirsten Niehuus, nun aber braucht man sich nicht mehr auf sein Gefühl verlassen, seit Mittwoch hat man es schwarz auf weiß. Bei insgesamt 25,6 Millionen Euro Fördergelder fließen 122 Millionen Euro an Ausgaben in die Region zurück, wie Zahlen von der Landesbank ergaben. Ein Regionaleffekt also von 600 Prozent. Die Zahlen belegen, dass der Filmstandort „zu den international beliebtesten Drehorten für Filme und Serien“ gehöre.

Dennoch betrachtet Kirsten Niehuus mit Sorge, dass hierzulande etwa der Deutsche FilmFörderFonds zwar nicht mehr gekürzt, aber auch nicht erhöht werde – während man in Nachbarländern wie Italien und Frankreich die Filmförderung um 20 bis 30 Prozent aufstockt, um ausländische Produktionen anzulocken. Die könnten der Region Berlin-Brandenburg damit langfristig verloren gehen. „Für die Zukunft sind tragfähige Fördermodelle in Deutschland notwendig, um auch weiterhin international wettbewerbsfähig zu sein“, so Niehuus. Der von Sigmar Gabriel neu eingerichtete German Motion Picture Fund, der vor allem auf internationale Koproduktionen und serielle Formate ausgerichtet ist, ist da ein gutes Signal, mit zehn Millionen Euro ist da allerdings noch Luft nach oben.

Und noch etwas bereitet ihr Kummer: Die kleineren Filme werden von immer weniger Menschen gesehen. Zwar hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Kulturfilmförderung von vier auf 20 Millionen Euro erhöht, wodurch noch mehr kleinere, anspruchsvolle Filme gefördert werden können. Die aber finden, wenn sie dann abgedreht sind, immer weniger Kinosäle, in denen sie gespielt werden. Die kleinen Produktionen kannibalisieren sich damit gegenseitig, während die Besucher immer stärker in die großen Event-Filme drängen.