Berlin –

Ein Mahnmal aus 14.000 Rettungswesten

Der Künstler Ai Weiwei will an ertrunkene Flüchtlinge erinnern

Berlin.  „Viele Menschen haben unter den Wellen ihr Leben verloren. Wir brauchen ein Denkmal“, so beschreibt der in Berlin lebende Künstler Ai Weiwei in einem Interview seinen Plan für ein Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge. Es soll in Berlin entstehen, wo genau, ist noch nicht klar. Mit seinem Projekt will der Chinese auf das Verbrechen aufmerksam machen, das von skrupellosen Menschenschleppern in der Ägäis verübt wird. Der 58-Jährige hat offenbar bereits ein Atelier auf Lesbos eingerichtet. Auch seine Workshops in China und Deutschland sowie einige seiner Studenten würden mitmachen, sagte er. Wie das Mahnmal im Detail aussehen könnte, zeigt er auf Instagram: Auf zwei seiner typischen Holzhocker hat Ai Weiwei zwei der orangefarbenen Rettungswesten drapiert, die von Flüchtlingen stammen. 6000 dieser Hocker hatte er im vorletzten Jahr im Gropius-Bau aufgestellt. Aus 14.000 Westen soll das Mahnmal entstehen. Die hat er von den Behörden auf Lesbos bekommen.

Im September hatte Ai bei seiner Ausstellungseröffnung in London gesagt, er sei „sehr stolz“ auf den Empfang, den Deutschland vielen Flüchtlingen bereitet habe. In London hatte sich Ai an einem Solidaritätsmarsch für Flüchtlinge beteiligt. Seit Oktober unterhält Ai Weiwei eine Gastprofessur an der Universität der Künste, sein Atelier hat er in Prenzlauer Berg. Zuletzt sorgte er für Aufsehen, als er für eine Kunstaktion die Gesichter australischer Bürgerrechtsaktivisten mit Legosteinen nachbauen wollte.