Kultur

Kindheit in Dresden: Durs Grünbeins „Die Jahre im Zoo“

Viele Jahre war der Dresdner Hauptbahnhof, „dieser dunkle Schildkrötenbau am Ende der Prager Straße“, für den jungen Durs Grünbein (53) ein Symbol der Verheißung: „Damals begann ich davon zu träumen, die Stadt zu verlassen, das Land, diese ganze, in sich kreisende, vor sich hindämmernde Geisterbahnwelt. Erwachend stellte ich mir vor, auf einen Zug aufzuspringen und die Irrealität dieses real existierenden Sozialismus gegen irgendein Jenseits zu tauschen - gern auch für immer.“ Aber zunächst blieb es Verheißung und Traum.

Erst viel später, nach dem Fall der Mauer, holte Grünbein das Versäumte in einer übersteigerten Form des „beinahe hysterischen Reisens“ nach. Dresden und seine Gartenstadt Hellerau waren nur noch der Bodensatz der Erinnerung an eine ferne Kindheit. In seinem Buch „Die Jahre im Zoo“ lässt Grünbein seine Kindheit in der DDR auf wunderbare Weise wiederauferstehen und setzt gleichzeitig der Gartenkolonie Hellerau ein Denkmal. Als Kaleidoskop bezeichnet der Dichter sein Erinnerungsbuch an eine entschwundene Zeit.

Anstelle einer linearen Erzählung tauchen Erinnerungssplitter auf, Prosapassagen wechseln mit Gedichten und alten Fotos ab, all das verbindet sich zu einem Ganzen. Die Erinnerungen enthalten anrührende Menschenporträts, etwa der beiden Großväter. Der eine übte den Beruf des Metzgers aus, „ein Meister im Fellabziehen, niemand schlägt ihn in dieser Disziplin“.