Kultur

Polizeiermittlung auf Griechisch

Noch ein Krimi vor beschaulicher Kulisse: Die ARD schickt Francis Fulton-Smith in Athen auf Verbrecherjagd

Krimitag in der ARD ist seit jeher der Sonntag. Mit Krimis lässt sich Quote machen, die Erfolgszahlen von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ beweisen das jede Woche. Jetzt geht das Erste zusätzlich am Donnerstag in die Offensive und setzt dabei auf eine ganze Reihe von Krimiserien, die alle im Ausland spielen. Ganz neu ist der Ansatz nicht, schon Joachim Król wandelte in der „Donna Leon“-Reihe durch die Gassen Venedigs, und Pasquale Aleardi ermittelte an der bretonischen Küste. In diesem Winter startet ein „Tel-Aviv-Krimi“, andere Orte sind Kroatien, Zürich, Island und Urbino, eine malerische italienische Stadt in der Nähe von San Marino. Der „Bozen-Krimi“ wird mit zwei Folgen fortgesetzt. Zum Auftakt der Reihe bildet die griechische Metropole Athen die Kulisse. „Trojanische Pferde“ heißt der Film in Anspielung auf Homer.

Regisseur Marc Brummund inszeniert seine Athen-Episode als einen Buddy-Film mit komödiantischen Zügen. Petros Makropoulos (Waldemar Kobus) ist nicht gerade begeistert, dass sein Kommissariat mit einem deutschen Kollegen verstärkt wird. Von der ersten Szene an fliegen die Fetzen zwischen dem gemütlichen Griechen und dem Ex-BKA-Beamten Max Richter (Francis Fulton-Smith). Viele Vorurteile und Klischees, die während der Griechenland-Krise an deutschen Stammtischen und in griechischen Cafés gesagt wurden, tauchen auf. Natürlich ermitteln die Griechen schlampig und spielen im Büro auch mal Kicker-Fußball, während Richter fokussiert und akribisch nach dem Mörder fahndet. Vorwürfe an seine Arbeitsauffassung kontert Makropoulos mit dem Satz: „Die Ordnung ist aus dem Chaos geboren.“

Das ungleiche Paar und sein Assistent Sideris (Sabin Tambrea) müssen den Mord an einer jungen Sängerin aufklären. Spannend wird der Fall, als die Ermittler herausfinden, dass das Mädchen mit einer Pistole erschossen wurde, die eigentlich in die Waffenkammer der Polizei gehört. Richter horcht auf, er ist auch nach Athen geschickt worden, um verdeckt in einem Korruptionsfall zu ermitteln. Deutsche BKA-Beamte sollen Waffen nach Griechenland geschafft haben, die auf dem Schwarzmarkt verscherbelt wurden. Dieser spannende Aspekt wird aber nicht ins Zentrum gerückt. Das Drehbuch enthält dafür ein paar private Verwicklungen der beiden Protagonisten, die für einige Schmunzler gut sind, aber nicht gerade die Spannung steigern. Die beste Szene ist eine Verfolgungsjagd durch Athens enge Straßen, die für Makropoulos’ Mercedes in einem Fischernetz endet.

Polizeiarbeit gehört zwar zu den Auslandskrimis dazu, aber ebenso wichtig scheint es, mit Außenaufnahmen das besondere Flair der Regionen einfangen zu wollen. Immer wieder zeigt die Kamera Schwenks über die Stadt, auf die Akropolis und den Hafen von Piräus. Das wirkt ein wenig wie ein touristischer Werbefilm. Auch der tägliche Verkehrskollaps in den zu engen Straßen wird thematisiert. Da gibt es auch für Polizeiwagen trotz Blaulichts kein Durchkommen.

„Der Athen-Krimi“ bietet ein paar gute Ansätze, vor allem durch das ungleiche Paar Richter/Makropoulos. Regisseur Brummund lässt verschiedene Handlungsstränge parallel laufen. Der Wechsel zwischen Richters Vorgeschichte, Makropoulus’ Privatleben und den Ermittlungsszenen geht auf Kosten der Spannung. Auch die Auflösung des Falles ist nicht gerade spektakulär. Mit Andrea Sawatzki als zwielichtiger Verlegerin und Bürgermeisterkandidatin gehört eine ehemalige „Tatort“-Kommissarin zur Besetzung. An die starken Sonntagskrimis reicht die Athen-Folge bei Weitem nicht heran. Aber Potenzial hat das deutsch-griechische Kommissarsduo – und die Korruption innerhalb der Polizei ist mit der Aufklärung des ersten Falls noch nicht ausgeräumt.

Man darf gespannt sein, was den Autoren der anderen Auslandskrimis eingefallen ist. Tel Aviv mit seinen politischen und religiösen Konflikten dürfte der spannendste Ort der Reihe sein. Katharina Lorenz und Samuel Finzi spielen hier die Hauptrollen. In Urbino ermitteln Katharina Wackernagel und Hannes Jaenicke. Prominenteste Schauspielerin ist Franka Potente. Sie verkörpert eine Schriftstellerin mit besonderem Gespür für Dinge, die nicht stimmen. In einem der beiden Fälle taucht sie in die mythische Welt der Elfen ein.

Der Athen-Krimi: „Trojanische Pferde“, heute , 20.15 Uhr, ARD