Kultur

Kochen allein reicht nicht, es müssen auch Tränen fließen

Tim Mälzer hat eine neue Sendung: „Kitchen Impossible“

Noch eine Kochshow. Das hat dem deutschen Fernsehen gerade noch gefehlt. Auf allen Kanälen wird gebrutzelt und filetiert. Kein Sender, auf dem nicht vormittags Tricks für den perfekten Hefeteig verraten und am Abend Hobbyköche gegeneinander zum Duell antreten würden. Kochsendungen gehören zum Fernsehen wie das Quiz am Vorabend, die Zoogeschichten in den dritten Programmen und der Krimi am Sonntag. Noch weniger überraschend als eine neue Kochshow ist: eine neue Kochshow mit Tim Mälzer. Mälzer ist längst kein Koch mehr; er ist ein omnipräsenter Superstar. Erste Wahl bei allen Themen, die entfernt um authentisches Essen kreisen. Ein neues Kochbuch zur Hausmannskost? Schreibt Mälzer. Wird garantiert ein Bestseller. Eine kritische Doku über Gammelfleisch und Discounterware? Mit Mälzer gleich viel zuschauerfreundlicher.

Der 45-Jährige ist seit einigen Jahren auf roten Teppichen ebenso zu Hause wie am Herd – und dass der Mann seine Lust am Kochen (und beim Kochen gefilmt werden) nicht komplett verloren hat, ist vielleicht die größte Überraschung. „Kochen ist eine emotionale Angelegenheit“, sagt er, und lehnt sich beim Pressetermin in der Studioküche der „Bullerei“ entspannt auf seinem Stuhl zurück. Die Ärmel sind hochgekrempelt, die Sätze schießen nur so aus ihm heraus. Sein Verhältnis zum Unterhaltungskochen ist längst auf einer höheren Ebene angekommen. Anders gesagt: Um Mälzer von einer TV-Show zu überzeugen, muss es um mehr gehen als um Wettkochen nach gestellter Uhr und mit abgefilmtem Einkaufsbummel. Mälzer sucht im Kochsendungsdschungel vor allem Herausforderungen, authentische Momente und eben: Emotionen.

Womit man bei seiner neuen Show wäre, „Kitchen Impossible“, die der Privatsender Vox vom 7. Februar an ausstrahlt. Unterstützt von sechs Großköchen (darunter der mit drei Michelin-Sternen gekrönte Juan Amador und der Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse) zieht Mälzer in den Koch-Kampf, in dem es gilt, einheimische Spezialitäten unter denkbar härtesten Bedingungen nachzukochen. Die kulinarischen Improreisen gehen nach Mexico City und Hongkong, nach Stuttgart und Hamburg. In die Töpfe wandern Schafsköpfe, Algen und Grünkohl. Dabei ist der Weg das Ziel. Nicht das am Ende präsentierte Gericht auf dem Teller zählt, sondern die während der Zubereitung vergossenen Schweißperlen. „Kitchen Impossible“ erinnert – der Titel legt es nahe – mehr an eine Runde Schlammcatchen als an fleißiges Rezeptenachkochen am Induktionsherd. Es geht dreckig zu und laut – und hätte der Sender nachträglich sämtliche Flüche entfernt, der Zuschauer wäre wohl einem Dauer-Piep-Konzert ausgesetzt gewesen.

„Raus aus der Komfortzone“, nennen die Macher das Konzept. Mitten rein in die bunte Welt der internationalen Alltagsküche, die mit Haute Cuisine so gar nichts am Hut hat. „Dieses Format ist die Kochshow, die ich immer schon machen wollte. Ich durfte reisen, entdecken, es musste nicht immer alles heile Welt sein, wie sonst oft im Fernsehen“, sagt Mälzer. Wenn man den Trailern des neuen Vox-Formats glauben darf, unterscheidet sich „Kitchen Impossible“ auch ­optisch erheblich von der Kochshow-Konkurrenz. Die Bilder sind hochwertig, die Reisestationen nach Schauwert gewählt. Und wie bei jeder guten Show überzeugt die Sendung auch durch ein Händchen für das richtige Casting.

„Kitchen Impossible“ liefert Mini-Porträts der Köche, die so gewöhnlich und interessant sind wie etwa die rothaarige Schweizerin Meta Hiltebrand oder der Tiroler Roland Trettl. „Jeder der Köche ist ein Charakterkopf. Es ist keine Pfeife dabei. Aber jeder von uns ist auch streitbar. Die Hälfte der Leute mag uns, die andere Hälfte kann uns nicht ausstehen“, beschreibt es Tim Mälzer. Man muss also nicht zwingend Tim-Mälzer-Fan sein, um die neue Vox-Show einzuschalten. Es kann aber auch nicht schaden.

„Kitchen Impossible“ ab 7.2., 20.15 Uhr, Vox